Diesen Beitrag weiterempfehlen
NF Januar-März 2010
Samenkörner - von Dr. Joseph Tkach - Unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung - von Dennis P. Gordon - Vom Vater geliebt - von Paula Rinehart - Hätten Sie Barabbas gewählt? - von John Halford - Weshalb die Geistestaufe keine zweite Taufe ist- von Jonathan Stepp - Verkauft...für dreißig Silberlinge - von Joyce Catherwood - Spieglein,Spieglein an der Wand... - von J. Michael Feazell - Bekenntnisse eines Jugendevangelisten - von Greg Williams - ... weiter
Der Glaube im täglichen Leben

Einführung in die Trinitarische, Christuszentrierte Theologie
Von Ted Johnston, WCG-USA Ministry Development Team.
Co-Autoren: Dr. J. Michael Feazell, Dr. Michael Morrison, Terry Akers und Keith Brittain.
Der Auftrag der Weltweiten Kirche Gottes (WKG) besteht darin, mit Jesus daran mitzuwirken, dass das Evangelium gelebt und verkündigt wird. Unser Verständnis von Jesus und seiner frohen Botschaft der Gnade hat sich während des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts durch eine Reformation unserer Lehren grundlegend geändert. Das führte dazu, dass die bestehenden Glaubenssätze der WKG jetzt auch auf die biblischen Doktrinen des historisch-orthodoxen christlichen Glaubensbekenntnisses ausgerichtet sind.
Jetzt, wo wir uns im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts befinden, setzt sich die Umwandlung der WKG mit dem Fokus auf theologische Reformation fort. Diese Reformation entwickelt sich auf dem Fundament, das allen reformierten WKG –Lehren festen Halt gibt – es ist die Antwort auf die äußerst wichtige theologische Frage: Wer ist Jesus?
“Wer” ist das Schlüsselwort dieser Frage. Im Mittelpunkt der Theologie steht nicht ein Konzept oder ein System, sondern eine lebende Person, Jesus Christus. Wer ist diese Person? Er ist völlig Gott, eins-seiend mit dem Vater und dem Heiligen Geist, die zweite Person der Dreieinigkeit, und er ist völlig Mensch, eins-seiend mit der ganzen Menschheit durch seine Menschwerdung. Jesus Christus ist die einzigartige Vereinigung von Gott und Mensch. Er ist nicht nur der Schwerpunkt unserer akademischen Forschung -- er ist unser Leben. Unser Glaube gründet sich auf seine Person und besteht nicht in Ideen oder Glaubenssätzen über ihn. Unsere theologischen Überlegungen entstammen einem tiefen Akt des Staunens und der Anbetung. In der Tat, Theologie ist Glaube auf der Suche nach Verständnis.
Während wir in den letzten Jahren das, was wir trinitarische, christuszentrierte Theologie nennen, andächtig studierten, hat sich unser Verständnis der Grundlagen unserer reformierten Lehrsätze erheblich erweitert. Teil Eins dieser Studie fasst diese theologischen Erkenntnisse zusammen und Teil Zwei befasst sich mit Fragen und Einwendungen. Unser Ziel ist nun, Prediger und Mitglieder der WKG über die weitergeführte theologische Reformation ihrer Glaubensgemeinschaft zu informieren und sie zur aktiven Beteiligung aufzurufen. Durch unseren gemeinsamen Wandel mit Jesus wächst und vertieft sich unsere Erkenntnis, und wir erbitten für jeden weiteren Schritt seine Führung.
Während wir uns in diesen Stoff immer mehr vertiefen, gestehen wir die Unvollkommenheit unseres Verständnisses und der Fähigkeit, derart tiefe Wahrheit zu vermitteln. Einerseits ist die angemessen-ste und dienlichste Reaktion auf die überwältigende theologische Wahrheit, die wir in Jesus verstehen, einfach unsere Hand über unseren Mund zu legen und in andächtiger Stille zu verharren. Anderseits spüren wir aber auch den Ruf des Heiligen Geistes, diese Wahrheit zu verkünden – von den Dächern herab zu posaunen --, nicht in Arroganz oder Herablassung, sondern in Liebe und mit aller Klarheit, die uns zur Verfügung steht.
Wir beten, dass diese Studie nicht nur mit Klarheit informiert, sondern auch alle Leser inspiriert, indem sie das wahre Spiegelbild von Gottes Liebesbund für uns alle aufzeigt. Unsere Theologie handelt von Jesus, seiner Liebe und seinem Leben, das er mit uns teilt.
Teil Eins: Hintergrund und Überblick
Theologie – Warum?
Theologie kann ganz einfach als “Gottverständnis” defininiert werden. Theologie ist unsere Gotterkenntnis und unser Verständnis über das, was mit Gott verbunden ist. Eigentlich besitzen wir alle eine Theologie, also, ein Gottverständnis. Sogar Atheisten besitzen eine Theologie, die besagt: “Es gibt keinen Gott”. Und natürlich hat jede Kirche und Glaubensrichtung eine Theologie. Es ist der Rahmen, der ihre Lehrsätze festigt und formt.
Als die Lehrsätze der WKG umgewandelt wurden, wurde es offensichtlich, dass wir die zugrunde liegende Theologie untersuchen und ausrichten mussten. Was ist die Beziehung zwischen Lehrsatz und Theologie? Nehmen wir zum Beispiel einen Hauptlehrsatz des christlichen Glaubens, die Erlösung durch Gnade. Dieser Lehrsatz lehrt, dass Jesus uns durch Glauben aus Gnade erlöst. Theologie untersucht, was diesem Lehrsatz zugrunde liegt und erklärt nicht nur das “wie” und das “warum” unserer Erlösung, sondern auch “wer”. Die zu beantworteten Fragen sind: Wer ist dieser Jesus, der Erlöser? Und, wer sind wir, die Jesus erlöst?
Unsere Theologie sagt uns, dass Erlösung etwas mit Beziehungen zu tun hat, nicht nur mit Verkündigungen oder Verhandlungen. Gott ist ein Gott des Bundes, nicht ein Gott des Vertrages. Wir lernen dies aus den Heiligen Schriften, worin die lebenswichtigen Bündnisbeziehungen beschrieben sind, die die Grundlage unserer Erlösung bilden. Diese Beziehungen beinhalten Gottes eigene trinitarische Gemeinschaft (die ewige Beziehung zwischen Vater, Sohn und Geist) und die Beziehung zwischen dem dreieinen Gott und der Menschheit, die mit und durch Jesus Christus geformt wurde.
Der Lehrsatz der Erlösung, und die ihr zugrunde liegende Theologie, dreht sich um Beziehungen und echtem Leben in und durch Jesus Christus, dem Ursprung und Erhalter aller Schöpfung. Dieses Leben von, durch und in Jesus, ist der Mittelpunkt dieser Theologiestudie und dieser Einleitung in die Trinitarische, Christuszentrierte Theologie, die nun von der Weltweiten Kirche Gottes als Glaubensrichtung angenommen wird.
Was sind die alternativen Theologien?
Alle christlichen Theologien streben danach, orthodoxe, christliche Lehrsätze hoch zu halten, einschließlich des Lehrsatzes der Erlösung durch Gnade. Folglich vergleichen wir Alternativtheologien und stellen sie gegensätzlich dar. Dabei reden wir über unterschiedliche Vorstellungen christlicher Brüder und Schwestern, die danach streben, dem gleichen Herrn zu dienen. Aus diesem Grunde sollen unsere Diskussionen mit Respekt und Sanftmut, und nicht mit Arroganz oder Feindseligkeit geführt werden.
Innerhalb der christlichen Gemeinschaft sind zahlreiche Theologien emporgekommen. Verschiedene Varianten des Calvinismus und Arminianismus haben den Protestantismus beherrscht.
Calvinismus ist eine Theologie, die von den Lehren des Johannes Calvin stammen, der zur Zeit der Reformation lebte (1509-1564). Es gibt verschiedene Varianten des Calvinismus, aber die meisten enthalten diese zwei verwandten Lehren:
o Begrenzte Versöhnung – die Vorstellung, dass Jesus nur für die Auserwählten starb (jene, die vorherbestimmt sind, erlöst zu werden).
o Unwiderstehliche Gnade – die Vorstellung, dass die Auserwählten erlöst werden und sie dieser Auserwählung nicht widerstehen können.
Calvinismus betont bei Auswahl und Erlösung die Souveränität Gottes. Viele protestantische Glaubensgemeinschaften des 21. Jahrhunderts nehmen diese Theologie an, unter anderem die meisten Presbyterianer, Reformierten Kirchen, Reformierten Baptisten und andere.
Arminianismus ist eine Theologie, die von den Lehren des protestantischen Reformers Jacobus Arminius herrühren (1560-1609). Er lehnte die Vorstellung Calvin’s von einer begrenzten Versöhnung und unwiderstehlichen Gnade ab und bestand darauf, dass Jesus für die ganze Menschheit starb, und das alle Menschen erlöst werden können, wenn sie notwendige, persönliche Schritte unternehmen, die durch den Geist ermöglicht werden. Diese Theologie beruht auf menschlicher Entscheidungsfreiheit, während sie Gottes Souveränität aufrechterhält. Viele protestantische Glaubensgemeinschaften des 21. Jahrhunderts nehmen irgendeine Form der arministischen Theologie an, unter anderem die meisten methodistischen Kirchen, viele Baptisten, und andere.
Trinitarische, Christuszentrierte Theologie
Obwohl die WKG mit vielen Aspekten vom Calvinismus und Arminiasmus übereinstimmt, sieht sie eine getreuere Ergebenheit zu Jesus und der Bibel in einer Trinitarischen und Christuszentrierten Theologie. Andere Bezeichnungen dieser Theologie lauten: Trinitarische Theologie, Christuszentrierte Theologie, Theologie der Adoption, Theologie der Einbeziehung und Theologie der Menschwerdung.
Diese Theologie ist trinitarisch, weil ihr Verständnis damit beginnt, daß ein ewiger Gott in der unzertrennlichen Einheit von drei unterschiedlichen Personen existiert, nämlich, Vater, Sohn und Geist. Theologie ist Gottverständnis und Dreieinigkeit ist Gottes Wesensart, die sich in Jesus selbst offenbart hat. Deshalb liegt der Kern dieser Theologie in der Dreieinigkeit.
Diese Theologie ist christuszentriert, weil es auf der offenbarten Zentralität und der hervorragenden Stellung von Jesus Christus beruht, nämlich in Einheit mit dem Vater und dem Geist und der ganzen Menschheit.
Diese zwei Lehrsätze der Dreieinigkeit und Menschwerdung Jesu (mit seiner stellvertretenden und repräsentativen Menschlichkeit) sind grundlegende, biblische Wahrheiten über Gott und Jesus. Sie sind der Wahrheitskern, die Logik, mit der sich diese Theologie mit allen Dingen, einschließlich Lehrsätzen, Auftrag, Anbetung usw. auseinandersetzt.
Man sollte diese Theologie mit einer Brille vergleichen, die wir zum Lesen benutzen und durch welche wir unseren christlichen Glauben verstehen. Anstatt die Brille als Ausgangspunkt menschlich-religiöser Erfahrung zu sehen (mit Betonung auf die persönliche und gegenwärtige Gottesbegegnung), wollen wir die Brille als Ausgangspunkt von biblischen Wahrheiten benutzen, um zu erkennen, was Gott über sich selbst sagt und was er über uns Menschen sagt, die mit Gott in und durch Jesus Christus vereint sind.
In diesem Sinne, wollen wir mit “Christus Logik” denken. Thomas F. Torrance (Trinitarische Leittheologe des 20. Jahrhunderts) meinte, Jesus ist zugleich der Grund (Grundlage/Quelle) und das Werk (Prinzip/Logik) der Dreieinigkeit und der ganzen Schöpfung, einschließlich der ganzen Menschheit.
Als Glaubensgemeinschaft nimmt die WKG die Trinitarische, Christuszentrierte Theologie an, weil wir sie gegenüber Jesus, dem lebendigen Wort Gottes, als völlig wahrheitsgetreu verstehen.
Aber ist sie auch biblisch?
Man fragt sich vielleicht, ob Trinitarische, Christuszentrierte Theologie gegenüber der Schrift Gottes, der Bibel, treu ist? Wir sind überzeugt, die Antwort dazu ist “ja”. Diese Theologie erkennen wir, richtig verstanden, als die getreueste gegenüber der Heiligen Schrift.
Natürlich ist das “richtige Verständnis” ein entscheidener Schlüssel. Man muß sich an die Begegnung ereinnern, die Jesus seinerzeit mit einigen Studenten der hebräischen Schriften (unser AT) hatte. Sie hatten die Schriften sorgfältig studiert, aber sie konnten die von Gott bestimmte Bedeutung nicht begreifen. Beachten wir die Worte Jesu’, die er ihnen in Johannes 5:39-40 HOFFNUNG FÜR ALLE (Betonung hinzugefügt) sagte: “Ihr lest die Heilige Schrift gründlich, um ewiges Leben zu finden. Und tatsächlich weist sie auf mich hin. Dennoch wollt ihr nicht zu mir kommen, um ewiges Leben zu haben.”
Jesus, die Erlösung in und durch ihn, ist der wahre Mittelpunkt der Schriften (Altes und Neues Testament). Um die Bibel richtig zu verstehen, müssen wir von Jesu’ Denken ausgehen, seiner Fähigkeit, richtig zu denken. Jesus alleine muss die Grundlage unserer Logik und Theologie sein, denn er alleine ist die endgültige und die höchste Offenbarung Gottes.
Wer lehrt diese Theologie sonst noch?
Einige fragen sich, ob die Weltweite Kirche Gottes diese Theologie selber formuliert hat oder sie pauschal aus einigen anderen (vielleicht unzuverlässigen) Quellen erworben hat. Keines von beiden ist der Fall.
Wie der Calvinismus und der Arminianismus, ist auch die Trinitarische, Christuszentrierte Theologie schon lange existent. Tatsächlich war sie die theologisch-visionäre Kraft, die viele Lehren der frühen Kirche formte. Sie war die Grundlage der frühen christlichen Glaubensbekenntnisse und war Grundlage, um den Kanon für das neue Testament zu bestimmen. Hier eine Zusammenfassung der frühen und bekannten trinitarischen Lehrer und Theologen.
Irenaeus (starb 202 A.D.)
Irenaeus war ein Schüler von Polycarp, welcher unter dem Apostel Johannes studiert hatte. Irenaeus versuchte aufzuzeigen, dass die frohe Botschaft der Erlösung, die von den Aposteln gelehrt und verkündet wurde, sich auf Jesus zentriert, einschließlich der Wahrheit der Menschwerdung Jesu. Er erkannte, dass die Bibel die Menschwerdung als einen Akt der zusammenfassenden Wiederholung unterbreitet, durch den Jesus ein neues Haupt für die gesamte Menschheit wurde, und demzufolge ein neuer Anfangspunkt wurde (siehe Epheser 1,9-10; 20-23). Durch die Menschwerdung wurde der Sündenfall aufgehoben, und die ganze Menschheit wurde in Jesus “wiedergeboren”. Jetzt hat die Menschheit in Jesus einen neuen Ursprung, einen neuen Anfang, und eine neue Identität.
Als Fundament für den Gedankengang des Irenaeus, galten die Paulusaussagen in Römer 5, wo uns Jesus als der zweite (oder letzte) Adam der Menschheit vorgestellt wird. Irenaeus schrieb: “...In Jesus fasste Gott den alten Menschen (Adam) zusammen, um die Sünde zu vernichten, dem Tod seine Macht zu nehmen, und Menschen das Leben zu geben.”
Irenaeus erkannte, dass Jesus die ganze Menschheit in sich zusammengefasst und den Sündenfall rückgängig gemacht hatte, indem er die Menschheit durch sein repräsentatives Leben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt neu erschaffen hatte. Über die Bedeutung dieser stellvertretenden Rolle Jesu werden wir später noch mehr erfahren.
Das Prächtige und Bedeutsame an Irenaeus’ Lehre war, dass diese Neuerschaffung der Menschheit in Jesus (durch die Menschwerdung) weit mehr als ein Werk ”von” Jesus ist, vielmehr eine Neuerschaffung ”in” und so”durch” Jesus ist. Und dies umfasst weitaus mehr als die Vergebung der Sünden. Es umfasst das, was Irenaeus als ”Vergöttlichung” der Menschheit bezeichnete.
Beachten wir, wie der Kirchenhistoriker Justo Gonzalez in seinem Buch, “The Story of Christianity” (Die Geschichte der Christenheit), die Gedanken von Irenaeus zusammenfasst (Buch 1, Seiten 68-71) (Betonung hinzugefügt):
Irenaeus (verstand Gott als) ein liebendes Wesen, das die Welt und die Menschheit erschaffen hatte . . . aus dem Verlangen, eine Schöpfung zu haben, um sie zu lieben und zu leiten, so wie ein Hirte seine Herde liebt und führt. Aus seiner Perspektive, erscheint das Ganze der Geschichte als der Vorgang, durch den der göttliche Hirte seine Schöpfung zum Endziel führt.
Die Krönung der Schöpfung ist die menschliche Kreatur, von Anfang an als freies und deshalb verantwortungsbewusstes Wesen erschaffen. Diese Freiheit erlaubt es, zunehmend vom göttlichen Willen und Wesen geformt zu werden, und uns so einer fortwährend wachsenden Gemeinschaft mit unserem Schöpfer zu erfreuen. Das Ziel dieses Vorgangs nennt Irenaeus “Vergöttlichung”. Gottes Zweck ist es, uns dem Göttlichen anzugleichen.
Das soll nicht heißen, dass wir irgendwie uns selbst im Göttlichen verlieren oder gar dasselbe Wesen wie Gott besitzen werden. Im Gegenteil, Gott ist uns weit überlegen, egal wie sehr wir seiner göttlichen Gestalt ähnlicher werden, denn wir werden ihm immer unterlegen sein.
Zur richtigen Zeit, nachdem die Menschheit daraufhin vorbereitet wurde (durch Gottes Wirken in und durch Israel), wurde das Wort Mensch, in der Gestalt von Jesus Christus. Jesus ist der “Zweite Adam”, weil durch sein Leben, Tod und Auferstehung eine neue Menschheit erschaffen wurde. Durch all sein Wirken, hat Jesus richtig gestellt, was durch Sünde verdreht wurde.
Auch am Ende, wenn Gottes Reich etabliert ist, wird eine erlöste Menschheit eine wachsende Gemeinschaft mit dem Göttlichen erfahren.
Was wir in Irenaeus finden, ist eine gewaltige Vision der Geschichte, so dass sich daraus die heiligen Vorhaben offenbaren. Der Brennpunkt dieser Geschichte ist die Menschwerdung, und nicht nur, weil Gottes Wort dadurch die verdrehte Menschheitsgeschichte richtig gestellt hat, sondern weil von Anfang an die Verbindung des Menschlichen mit dem Göttlichen das Ziel der Geschichte war. Gottes Zweck ist es, sich mit seiner menschlichen Schöpfung zu vereinen, und genau das geschah in Jesus Christus.
Auf Grund seines Verständnisses des Evangeliums und der Schriften, die Jesus in seiner Fülle offenbaren, wurde Irenaeus von Gott geleitet eine atemberaubende, christuszentrierte theologische Einsicht niederzuschreiben.
Athanasius (starb 373 A.D.)
Als junger Mann verteidigte Athanasius Gottes Gnadenbotschaft in Jesus gegen Irrlehrer (darunter Arius), die die Gottheit Jesu verleugneten. Diese Verteidigung führte zur Formulierung des Lehrsatzes der Dreieinigkeit, die vom Konzil in Nizäa 325 A.D. bestätigt wurde. Athanasius war auch leitend, unter denen, die halfen, den endgültigen Kanon des Neuen Testamentes festzusetzen.
Auf Grund einer Trinitarischen, Christuszentrierten Theologie, die von Athanasius und anderen verkündet wurden, kam die Formulierung der christlichen Hauptlehrsätze zustande und wirkte in der Zusammenstellung des neutestamentlichen Kanon’s mit.
In seiner Abhandlung, “Über die Menschwerdung des Logos”, schrieb Athanasius folgendes (Betonung hinzugefügt) :
Und so nahm er einen Leib gleich dem unsrigen an. Da alle unter der Verderbnis des Todes standen, überantwortete er seinen Körper dem Tode, stellvertretend für alle, und brachte ihn dem Vater dar. Und das tat er aus reiner Liebe zu uns, damit alle in seinem Tode sterben... Das tat er, damit Menschen, die wieder in die Verweslichkeit zurückgefallen waren, wieder zur Unverweslichkeit umkehren können. Durch die Bestimmung seines Todes und durch die Gnade seiner Wiederauferstehung machte er sie wieder lebendig...
Was hatte nun Gott zu tun? Oder was hätte Gott sonst tun sollen, als sein Ebenbild in Menschengestalt zu erneuern, damit die Menschen ihn darin wieder erkennen könnten? Wie hätte aber dies geschehen können, außer durch das Kommen des Ebenbildes Gottes selbst, unseres Erlösers, Jesus Christus? ...Das Wort Gottes kam in seiner eigenen Person, weil nur er allein den Menschen nach dem Ebenbilde Gottes neu erschaffen konnte. Deshalb kam der Logos persönlich zu uns, um als Bild des Vaters den ebenbildlich erschaffenen Menschen wiederherzustellen. So geschah ganz auffallend bei einem und demselben Geschehnis etwas Doppeltes: Am Leib des Herrn wurde der Tod aller vollzogen. Jedoch weil das Wort (Logos) in ihm war, wurden im gleichen Ereignis Tod und Verwesung völlig aufgehoben. Der Tod musste eintreten, und zwar im Interesse aller, um die allgemeine Schuld zu zahlen. Weshalb das Wort (Logos), das an sich nicht sterben konnte, einen sterblichen Leib annahm, der sterben konnte, um ihn als eigenen für alle zu opfern und für alle zu leiden, und durch diese Verbindung „dem die Macht zu nehmen, der die Herrschaft über den Tod hatte, d.h. dem Teufel, und die zu erlösen, die im Banne der Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in der Knechtschaft standen“ (Heb. 2,14-15). Und durch seinen Tod ist für alle das Heil gekommen und die ganze Schöpfung ist erlöst worden.
Man sollte die Gedankenkontinuität beachten, die zwischen Athanasius und Irenaeus existiert. Beide hoben in Jesus die stellvertretende Menschlichkeit durch seine Menschwerdung hervor. Durch die Menschwerdung, vollendete Gott die Erlösung der Menschheit durch Jesus. Das ist die frohe Botschaft, die aus den Schriften offenbart wird und von der Frühkirche erkannte wurde.
Gregor von Nazianz (starb 389 A.D.)
Gregor (einer der kappadokischen Väter) beschrieb Jesus’ Annahme unserer Menschheit durch die Menschwerdung als einen Austausch, der die Erlösung und Heilung der Menschheit vollendete.
Wenn jemand seinen Glauben in ihm (Jesus) als Mann ohne Denkvermögen setzt, ist selbst ohne Verstand ...denn was er nicht angenommen hat, hat er auch nicht geheilt, aber das, was er mit seiner Gottheit verbunden hat, ist errettet. Wenn Adam nur oberflächlich fiel, dann ist es das Unvollkommene, das Jesus annahm und errettete, aber wenn seine ganze Natur in Sünde fiel, dann musste sie mit der ganzen Natur von ihm, der der Erstgeborene war, vereint sein, um so ganz errettet zu sein...
Das Wort hatte eingesehen, dass die Verderbtheit nur durch den Tod vernichtet werden könnte, obwohl er selbst, als das Wort, unsterblich, und als Sohn des Vaters, als solches nicht sterben konnte. Deshalb zog er einen sterblichen Körper an, damit, durch das Wort, das über allem steht, es im Tod ein ausreichender Austausch für alle wird, selbst aber durch sein Innewohnen unverweslich bleibt, und danach, durch die Gnade der Auferstehung, ein Ende der Verderbtheit für alle Menschen bringen möge.
Die Trinitarische Sicht schwindet
Obwohl die trinitarische Sicht der frohen Botschaft in der Frühkirche dominierte, wurde sie langsam von anderen Ansichten überschattet. Besonders in der lateinischen Theologie des 5. Jahrhunderts, gab es eine wachsende Ablehnung der Tatsache, dass es unsere entfremdete, verderbte und sündige Menschlichkeit war, die sich der Sohn Gottes durch die Menschwerdung angenommen hätte. Statt dessen wurde der Gedanke angenommen, dass Jesus unsere Menschlichkeit nur im sündlosen Zustand annahm (vor dem Sündenfall), und diese reine Natur von seiner Mutter Maria durch die ”unbefleckte Empfängnis” erhielt. In ironischer Verdrehung der Geschichte, verwarfen die herrschenden, protestantischen Theologien die Lehrsätze der unbefleckten Empfängnis, behielten aber den Gedanken der von Jesus angenommenen sündlosen Menschennatur (vor dem Sündenfall) bei.
Die protestantischen Reformer jedoch unterstrichen die Menschwerdung und verstanden es als einen ”großen Austausch”. Dies gilt für Johannes Calvin, der im Jahr 1564 starb. In seiner Abhandlung “Vom Christlichen Leben” (2.16.5/4.17.2) schrieb er folgendes (Betonung hinzugefügt):
Nun fragt man sich, wie hat Christus Sünde abgeschafft und die Trennung zwischen uns und Gott verbannt und die Gerechtigkeit erlangt, damit Gott sich uns gefällig und gnädig zuwendet? Wir beantworten diese Frage damit, dass er für uns alles durch seinen Gehorsam erreicht hat ...Kurzum, von dem Moment an, wo er einem Sklaven gleich wurde, begann er den Preis der Befreiung zu zahlen, um uns zu erlösen.
Dies ist der wunderbare Wechsel, den er uns aus seiner unerschöpflichen Güte geschenkt hat, nämlich dadurch, dass er uns zum Menschensohn wurde, hat er uns mit ihm zu Söhnen Gottes gemacht; dadurch, dass er zur Erde herunterkam, hat er uns auf die Fahrt zum Himmel vorbereitet; dadurch, dass er unsere Sterblichkeit auf sich nahm, hat er seine Unsterblichkeit auf uns übertragen; ...dadurch, dass er die Schwere unserer Übertretungen auf sich nahm (die uns bedrückten), hat er uns mit seiner Gerechtigkeit bekleidet.
Zeitgenössische trinitarische Theologen
Im 20. Jahrhundert wurde hauptsächlich im Westen die trinitarische Theologie durch das Lebenswerk von Karl Barth und seinen Studenten gefördert, darunter Thomas F. Torrance und sein Bruder James B. Torrance.
Jetzt im 21. Jahrhundert, sind hunderte von trinitarischen, christuszentrierten Theologen unter vielen Glaubensrichtungen zu finden. Darunter Michael Jinkins, Ray Anderson, Elmer Colyer, Robert F. Capon, Gary Deddo, Gerrit Scott Dawson und andere. Innerhalb der WKG sind John McKenna und J. Michael Feazell die Hauptbefürworter einer Trinitarischen, Christuszentrierten Theologie gewesen. In diesem Papier beziehen wir uns auf einige dieser Theologen.
Wann nahm sich die WKG dieser Theologie an?
In der WKG haben wir die Trinitarische, Christuszentrierte Theologie als ehrlichste Antwort auf die äußerst wichtige Frage verstanden: „Wer ist Jesus?“ Diese biblisch fundierte Theologie führt zum vollständigen Verständnis der frohen Botschaft und ergibt einen christuszentrierten Wortschatz, der zur Weitergabe der frohen Botschaft an unsere Zeitgenossen dient.
Als sich nach unserer Lehrsatzreformation in den 1990’ern der Staub legte, mussten die WKG Führungspersonen, den Ungereimtheiten unserer zugrunde liegenden Theologie ins Auge schauen. Vorher besaßen wir im Grunde eine arminianische Theologie, die wir aber nicht in Übereinstimmung mit der biblischen Offenbarung bringen konnten, die besagt, dass das Heil nur ”in Christus” ist, und dementsprechend allein durch Gnade völlig beziehungsfähig ist.
Wir fingen an, Theologie in größtmöglicher Gründlichkeit zu studieren und baten um Gottes Führung bei der Prüfung der Alternativen. Das Resultat war, dass ein neuer theologischer Weitblick hervortrat und sich in unserer aktuellen Lituratur der letzten Jahre zunehmend widerspiegelte.
Wir freuen uns hier eine Übersicht der Grundprinzipien und -Sätze vorzustellen. Es ist nicht unser Ziel unsere Mitglieder (oder auch unsere Prediger und Lehrer) zu konventionellen Theologen zu machen. Aber wir laden alle ein, mit uns diese Wahrheit über Gott und die ganze Menschheit zu feiern, wie sie in der Person von Jesus Christus wahrgenommen und in dieser Theologie so prächtig beschrieben wird.
Außerdem wollen wir auch denen, die die Grundlagen dieser Theologie studieren wollen, die Möglichkeit geben, dies zu tun (einschließlich Hinweisen zu anderen tiefer gehenden Quellen).
Denjenigen unter uns, die eine andere theologische Einsicht vorziehen, erweisen wir Respekt und Toleranz. Wir sind nicht durch die Qualität unserer Theologie erlöst, sondern durch Gott allein, durch und in Jesus allein, und so völlig allein aus Gnade (deshalb unabhängig von menschlicher Anstrengung oder Wissen). Wir wollen aber die Freude über das, was wir lernen, mitteilen und laden alle WKG Pastoren und Lehrer ein, diese Studie gründlich zu studieren und unter Gottes Leitung sich zu eigen zu machen und sie durch ihr Lehren und Predigen wiederzuspiegeln.
Wer bist du, Herr?
Dies ist die theologische Hauptfrage und man sollte beachten, dass sie sich mit dem “wer” und nicht mit dem “was” oder “wie” befasst.
“Wer bist du, Herr?” war die bekümmerte Frage des Paulus auf dem Weg nach Damaskus, als er vom wiederauferstandenen Jesus niedergeschlagen wurde (Apg. 9,5). Paulus verbrachte den Rest seines Lebens damit, sich diese grundlegende Frage zu beantworten und teilte die Antwort mit allen, die hören würden. Tatsächich ist die Antwort, die uns aus der heiligen Schrift offenbart wird, der Kern der frohen Botschaft und der Brennpunkt der Trinitarischen, Christuszentrierten Theologie:
Jesus ist völlig Gott – Er ist die zweite Person der Dreieinigkeit, der göttliche Gottessohn, in ewiger Vereinigung mit dem Vater und dem Geist. Dies ist der Lehrsatz der Dreieinigkeit. Und weiter sagt uns die Heilige Schrift, dass es Gottes Sohn war (In der Seinsweise Jesu vor seiner Menschwerdung), der das ganze Universum, einschließlich allem Menschlichen, erschaffen hat (Kolosser 1,16), und nun das ganze Universum einschließlich aller Menschen aufrecht erhält (Kolosser 1,17). Wenn wir ”Jesus Christus” sagen, sagen wir ”Gott” und ”Schöpfer”.
Jesus ist völlig Mensch – Er ist der Sohn Gottes, das Wort, das Fleisch wurde (Joh. 1,14), aber weiterhin auch völlig Gott blieb. Dies ist der Lehrsatz der Dreieinigkeit. Die heilige Schrift bezeugt, daß die Menschwerdung von Dauer ist - Jesus ist (immer und ewig) völlig Gott und völlig Mensch. Wenn wir ”Jesus Christus” sagen, sagen wir ”menschliche Natur”.
Jesus ist Vermittler und stellvertretender Mensch – Als der Eine, der alleinig Gott (Schöpfer und Erhalter von allem) und auch völlig Mensch ist. In sich selbst ist Jesus die einzigartige Vereinigung von Gott und Menschheit. In und durch Jesus, sind alle Menschen in das Leben und die Liebe Gottes mit eingeschlossen. Der Mensch Jesus (1. Tim. 2,5) ist der Repräsentant und Stellvertreter der gesamten Menschheit – in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er ist der stellvertretende Mensch. Wenn wir ”Jesus Christus” sagen, sagen wir somit ”Gott in Einheit mit der ganzen Menschheit”.
In Römer 5 spricht Paulus über diese in Erstaunen versetzenden Aspekte, wer Jesus ist. Er richtet sich direkt an Gläubige, aber er gibt klar zu verstehen, dass seine Aussagen sich auf die gesamte Menschheit beziehen, gleichermaßen Gläubigen und Nicht-Gläubigen.
Nach Paulus sind alle durch Jesus . . .
o gerechtfertigt durch den Glauben und Frieden habend mit Gott (Vers 1)
o versöhnt mit Gott durch den Tod Jesu (Vers 10)
o gerettet durch Jesu Leben (Vers 10)
Wann fand dieses Freisprechen, diese Versöhnung und diese Errettung statt?
o „als wir noch schwach waren“ (Vers 6)
o „als wir noch Sünder waren“ (Vers 8)
o „als wir noch seine Feinde waren“ (Vers 10)
Klar fanden diese Dinge ganz ohne unsere Beteiligung statt, unberührt unserer guten Werke. Jesus hat diese Dinge für uns getan und er hat sie in sich selbst vollbracht. Wie Irenaeus schon sagte, geschah es durch die Menschwerdung Jesu, durch eine große „zusammenfassende Wiederholung“.
Der Nutzen dessen, was Jesus schon vor langer Zeit tat, reicht bis zur Gegenwart und in die Zukunft, denn Paulus sagt: „...um wie viel mehr werden wir gerettet werden durch sein Leben“ (Vers 10). Das zeigt, dass Erlösung keine einmalige „Transaktion“, sondern eine andauernde Beziehung ist, die Gott zur gesamten Menschheit hat. Eine Beziehung, die durch die Person Jesus Christus zustande kam, und durch ihn selbst Gott und die Menschheit in Frieden verbindet.
Jesus, der zweite Adam
In Römer 5 schreibt Paulus weiterhin über eine erstaunliche Wahrheit, indem er Jesus mit Adam vergleicht und als zweiten oder letzten Adam bezeichnet. Man sollte Paulus’ Aussagen beachten (Hervorhebungen und in Klammern gesetzte Kommentare hinzugefügt):
o Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. (Vers 12)
o Aber nicht verhält sich's mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn wenn durch die Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, um wieviel mehr ist Gottes Gnade und Gabe den Vielen [das gleiche “alle“ wie in Vers 12] überreich zuteil geworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus. (Vers15)
o Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. (Vers 18)
”Alle” bedeutet wirklich ”alle”
Es ist unser Verständnis, dass Paulus darüber spricht, was Jesus für die ganze Menschheit tat. Die Absicht seines stellvertretenden Menschenlebens - vereint mit Gott, wie es seine Menschwerdung war - ist allumfassend: sie betrifft alle Menschen - alle die einmal gelebt haben, die jetzt leben und die zukünftig leben werden. Aber nicht alle christlichen Theologien verstehen die Bedeutung des Wortes ”alle” in diesem Sinne:
o Calvinismus besagt, dass Erlösung nicht wirklich für alle gilt - sie ist auf die Erwählten begrenzt - auf diejenigen, die vorherbestimmt sind, errettet zu werden. Jesus starb nicht für die Nichterwählten.
o Arminianismus besagt, dass ”alle” sich wohl auf die ganze Menschheit bezieht, Erlösung aber nur potentiell das ihre ist, nicht tastsächlich. Dies ist eine Schlüsselfrage, auf die wir noch zurückkommen werden.
Aus unserer Sicht geht aus der Schrift eindeutig hervor, dass Jesus für alle gestorben ist und dass sein Tod jetzt für alle gilt. Beachten wir eine Auswahl einschlägiger Passagen (alle aus der Übersetzung”Hoffnung für Alle” zitiert; Betonungen hinzugefügt):
o Johannes 12,32 „Wenn ich aber erhöht sein werde, will ich alle zu mir ziehen.“
o 1. Johannes 2,2 „Denn Christus hat unsere Sünden, ja die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen; er hat sie gesühnt.
o 1. Timotheus 4,9-10 „Das ist unumstößlich wahr, darauf dürfen wir fest vertrauen. Für nichts anderes arbeiten und kämpfen wir. Auf Gott allein haben wir unsere Hoffnung gesetzt, auf den lebendigen Gott. Er ist der Retter für alle Menschen, wenn sie nur an ihn glauben.“
o Johannes 1,29 „Am nächsten Tag kam Jesus an den Jordan. Da rief Johannes: «Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünden aller Menschen hinwegtragen wird.“
o Johannes 3,17 Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie vor dem Verderben zu retten.
o 1. Johannes 4,14 „Wir haben es selbst erlebt und darum bezeugen wir: Gott, der Vater, hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um sie zu retten.“
o 2. Korinther 5,18-19 „All dies verdanken wir Gott, der durch Christus mit uns Frieden geschlossen hat. Er hat uns beauftragt, diese Botschaft überall zu verkündigen. Denn Gott hat durch Christus Frieden mit der Welt geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet, sondern sie vergibt. Gott hat uns dazu bestimmt, diese Botschaft von der Versöhnung öffentlich bekanntzugeben.“
o Kolosser 1,19-20 „Denn Gott wollte mit allem, was er ist und hat, in seinem Sohn wohnen. Alles im Himmel und auf der Erde sollte durch Christus mit Gott wieder versöhnt werden und Frieden mit ihm finden. Das ist geschehen, als er am Kreuz sein Blut vergoß.“
o 1. Timotheus 2,3-6 „So soll es sein, und so gefällt es Gott, unserem Retter. Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen. Es gibt nur einen einzigen Gott und nur einen Einzigen, der zwischen Gott und den Menschen vermittelt und Frieden schafft. Das ist der Mensch Jesus Christus. Er hat sein Leben am Kreuz geopfert, damit wir alle erlöst werden, so wie es schon lange vorhergesagt war.“
o Hebräer 2,9 „Aber wir sehen, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus, der für eine kurze Zeit niedriger war als die Engel, mit Ruhm und Ehre gekrönt hat. Dies war der Lohn für sein Sterben am Kreuz. Denn Gott hatte in seiner großen Liebe beschlossen, dass Christus für uns alle den Tod erleiden sollte.“
o 2. Korinther 5,14 „Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat. Denn wir sind davon überzeugt: Weil Jesus Christus stellvertretend für alle Menschen starb, sind sie gewissermaßen alle gestorben.
o Römer 8,32 „Gott, der für uns seinen eigenen Sohn geopfert hat, sollte er uns noch etwas vorenthalten?“
o Titus 2,11 „Denn in der Person Jesu Christi ist jetzt Gottes Barmherzigkeit sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will.“
Aus dieser biblischen Klarheit schließen wir, dass Jesus für die ganze Menschheit starb. Aus unserer Sicht zerstört diese Klarheit die Vorstellung einer begrenzten Erlösung.
Aber wie verhält es sich mit der Ansicht, dass diese allumfassende Erlösung noch nicht allen gegeben ist und erst zukünftig stattfinden wird, wenn jede Person tatsächlich empfängt, was heute nur potentiell gegeben ist? Für viele in der WKG ist das eine Schlüsselfrage, die die arminianistische Denkweise zu eigen hatten. Diese Denkweise herrscht auch heute noch in vielen konservativen, evangelischen und nordamerikanisch-protestantischen Lehren vor.
Erlösung ist Neuschöpfung und nicht nur ein einmaliger Vorgang
Die Heilige Schrift lehrt uns, dass Erlösung nicht als ein einmaliger Vorgang anzusehen ist oder ein historisches Ereignis ist, das unsere Sündenschuld begleicht. Es ist kein Geschenk, das man ”erwerben”, und nach persönlicher Umkehr und entsprechend unseres Glaubens, erhalten kann.
Wenn man Erlösung als Austausch betrachtet, selbst wenn ein kleines Körnchen Wahrheit darin enthalten ist, so ist sie doch eine verkürzte Betrachtungsweise unserer Erlösung und birgt einen Hang zu Fehldeutungen in sich. Anstatt Erlösung als Austausch zu betrachten, stellt die heilige Schrift Erlösung als Neuschöpfung dar. In Jesus, der völlig Gott und völlig Mensch ist (und in seiner Menschlichkeit die komplette Stellvertretung für die ganze Menschheit inne hat), sind ALLE Menschen neu erschaffen und durch diese Neuschöpfung sind sie gerechtfertigt, versöhnt und errettet, weil sie alle in Jesus mitinbegriffen sind, und was er durch seine Menschwerdung, Leben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt erreichte.
All dies tat Jesus für uns und tat es mit uns und in uns, als einer von uns. Jesus ist der Eine, der die Vielen represäntiert, und die Vielen in Einem darstellt. So erkennen wir aus den Schriften, dass...
o Als Jesus starb, starb die Menschheit mit ihm
o Als Jesus auferstand, wurde die ganze Menschheit mit ihm zu neuem Leben auferweckt
o Als Jesus zum Himmel fuhr, fuhr die ganze Menschheit mit ihm zum Himmel auf und wurde zur Rechten des Vaters gesetzt.
Wo finden wir dies in den heiligen Schriften bestätigt? Beachten Sie folgende Verse (HOFFNUNG FÜR ALLE, Betonung hinzugefügt):
2. Korinther 5,14-16 ”Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat. Denn wir sind davon überzeugt: Weil Jesus Christus stellvertretend für alle Menschen starb, sind sie gewissermaßen alle gestorben. Und Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die durch seinen Tod das Leben geschenkt bekamen, nicht länger für sich selbst leben. Ihr Leben soll jetzt Christus gehören, der für sie gestorben und auferstanden ist. Wir beurteilen auch niemanden mehr nach äußeren Maßstäben. Selbst wenn wir Christus früher danach beurteilt haben, so gelten diese Maßstäbe jetzt nicht mehr.“
Römer 5,12-19 „Durch einen einzigen Menschen, durch Adam, ist die Sünde in die Welt gekommen und als Folge davon der Tod. Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind sie alle dem Tod ausgeliefert. Demnach war die Sünde schon da, lange bevor Gott durch Mose das Gesetz gab. Aber wo kein Gesetz ist, kann auch keine Sünde, das heißt eine Übertretung des Gesetzes, angerechnet werden. Dennoch muss man sagen, dass alle Menschen von Adam bis zu Mose ebenfalls dem Tod verfallen waren, auch wenn sie nicht bewusst gegen Gottes Willen handelten, wie es Adam getan hatte. Und doch weist Adam in seiner Person auf den kommenden Christus hin. Freilich lässt sich die Erlösung, die uns Christus gebracht hat, nicht mit der Sünde Adams vergleichen. Denn durch die Sünde des einen wurde die gesamte Menschheit dem Tode ausgeliefert; durch Jesus Christus aber erfuhren wir in überreichem Maße Gottes Barmherzigkeit und Liebe. Man kann also die Erlösung durch Christus und die Sünde Adams nicht auf eine Stufe stellen. Gottes Urteilsspruch brachte wegen der einen Sünde Adams allen die Verdammnis; was Christus getan hat, brachte uns trotz unzähliger Sünden den Freispruch. Hat aber der Ungehorsam eines einzigen Menschen zur Herrschaft des Todes geführt, um wieviel gewisser werden dann alle, die Gottes überreiche Barmherzigkeit und seine Vergebung erfahren haben, durch Jesus Christus leben und einmal mit ihm herrschen. Es steht also fest: Durch die Sünde eines Menschen - Adam - sind alle Menschen in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines Menschen - Christus - haben alle die Chance zu einem neuen Leben mit Gott. Oder anders gesagt: Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor Gott schuldig; aber weil Jesus Christus gehorsam war, sollen alle von Gott freigesprochen werden.“
Kolosser 1,15-17 „ Christus ist das Abbild seines Vaters; in ihm wird der unsichtbare Gott für uns sichtbar. Vor Beginn der Schöpfung war er da. Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist, alles Sichtbare und Unsichtbare, alle Königreiche und Mächte, alle Herrscher und Gewalten. Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Denn Christus war vor allem anderen; und nur durch ihn besteht alles.“ [Das ist eine erstaunliche Erklärung über die Natur von Jesus, weil er sowohl Schöpfer als auch Erhalter des gesamten Kosmos ist (einschließlich der gesamten Menschheit). Als er stirbt, befindet sich die gesamte Schöpfung mit ihm im Niedergang (einschließlich aller Menschen) - „sie alle gewissermaßen gestorben sind“ (2Kor5,14). Und als er auferstand, auferstehen wir alle; und als er zum Himmel auffuhr, fahren wir alle zum Himmel auf. Jesus umfasst in seiner Menschwerdung, seinem Leben, seinem Tod, Begräbnis, Auferstehung und Himmelfahrt einen jeden in sich („alle“)].
Römer 6,10 „Christus ist wegen unserer Sünde gestorben, und zwar ein für allemal. Jetzt aber lebt er, und er lebt für Gott.“ [Beachten wir: Es heißt nicht „wird sterben“ wenn sie sich zu ihm bekehren „Jesus empfangen“, sondern „ein für allemal“ (Vergangenheit) und nicht für einige, sondern „für alle“].
Römer 8,1 „Wer nun zu Jesus Christus gehört, wird der Verurteilung durch Gott entgehen; er wird leben.“ [Es ist nicht unser persönlicher Glaube, der uns „in Christus“ versetzt - Jesus tat das für die ganze Menschheit vor langer Zeit „indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet“ (2Kor5,19) „sondern sie vergibt“. Diese Versöhnung - diese Vergebung - wird für jedes Einzelwesen durch persönliche Reue und Glauben „erkannt“].
Epheser 2,4-10 „Aber Gottes Barmherzigkeit ist groß. Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit Christus neues Leben schenkte. Haben wir das verdient? Niemals! Das verdanken wir allein der Gnade Gottes. Durch den Glauben an Christus sind wir dem Tod entrissen und haben einen Platz in Gottes Reich. So will Gott in seiner Liebe zu uns, die in Jesus Christus sichtbar wurde, für alle Zeiten die Größe seiner Gnade zeigen. Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod errettet worden. Ihr habt sie erfahren, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Aber selbst dieser Glaube ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk. Durch eigene Leistungen kann man bei Gott nichts erreichen. Deshalb kann sich niemand etwas auf seine guten Taten einbilden. Gott hat etwas aus uns gemacht: Wir sind sein Werk, durch Jesus Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nur, was Gott schon immer mit uns vorhatte.“
1. Petrus 1,18-20 „Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure Väter geführt haben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit Geld, sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut, das er als unschuldiges, reines Lamm Gottes für uns geopfert hat. Dass er für uns sterben sollte, hatte Gott schon vor Erschaffung der Welt bestimmt. Aber erst jetzt, in dieser letzten Zeit, ist Christus zu euch gekommen, um euch zu retten.“
In seinem Spenderbrief vom April 2008 schreibt Dr. Joseph Tkach über diese Neuschöpfung:
Die frohe Botschaft dreht sich um eine Gemeinschaft, und zwar einer Gemeinschaft mit Gott, die durch Gottes eigene Tat in unserem Interesse und in Christus zustande kam. Es dreht sich nicht um Ansprüche, und auch nicht um simple, intellektuelle Annahme von Religions- oder Bibelkenntnissen. Jesus Christus stand nicht nur für uns stellvertretend am Richtstuhl Gottes, er umfasste uns und machte uns mit ihm und in ihm zu Gottes eigene, liebgewonnene Kinder, durch seinen Geist.
“Gott hat uns alles geschenkt, was wir brauchen, um zu leben, wie es ihm gefällt. Denn wir haben ihn kennen gelernt; er hat uns in seiner Macht und Herrlichkeit zu einem neuen Leben berufen. Dadurch hat er uns das Größte und Wertvollste überhaupt geschenkt: Er hat euch zugesagt, dass ihr an seinem ewigen Wesen und Leben Anteil haben werdet. Denn ihr seid dem Verderben entronnen, das durch die menschlichen Leidenschaften und Begierden in die Welt gekommen ist” (2 Pet. 1,3-4).
Aus der heiligen Schrift erfahren wir den ganzen Bereich von Jesu Heilswerk. In alledem erkennen wir die RIESIGE Bedeutung der Menschwerdung Jesu, durch die unser Schöpfer und Erhalter, das Wort, ”Fleisch wurde” (Joh. 1,14). Der Einzige, in welchem der Kosmos (die Menschheit mitinbegriffen) sein Dasein, Bewegungsraum und Ursprung hat (Apg. 17,28), wurde völlig Mensch und war gleichzeitig völlig Gott. Deshalb, was Jesus zustößt, stößt der ganzen Menschheit zu (und dem ganzen Kosmos, den er weiterhin aufrechterhält).
Viele Theologien legen eine gestutzte Ansicht der Menschwerdung dar und verstehen sie als eine kurzfristige Gefälligkeit von Jesus, um die Sündenstrafe für die Menschheit abzuzahlen. Aber die heilige Schrift stellt die Menschwerdung als eine ewige Zustandsänderung Gottes dar, die durch Jesus, unserem Repräsentanten, vorgenommen wurde, und eine Änderung der Menschheit an sich bewirkte.
Und diese neue Situation währt ewig und Jesus bleibt ewiglich völlig Gott und völlig Mensch. Deshalb ist das Wunder der Menschwerdung nicht etwas, was nur in der Vergangenheit geschah. Es ist eine Zustandsänderung des gesamten Kosmos und ist als Neuschöpfung zu verstehen. Die Menschwerdung hat auf ewig alles verändert und umfasst die gesamte Menschheitsgeschichte in Vergangenheit und Zukunft.
Paulus macht diesen Punkt in Römer 7,4 deutlich, wo er schreibt, dass wir vom Gesetz befreit worden sind, als Christus für uns am Kreuz starb. Jesu Tod, im menschlichen Leib für uns erlitten, ist zwar ein historisches Ereignis, aber auch eine Realität, die die ganze vergangene, aktuelle und zukünftige Menschheitsgeschichte umfasst. Es ist dieser kosmische Fakt, welcher der ganzen Menschheitsgeschichte zugrunde liegt. Diese Erkenntnis wird in Kolosser 3,3 erweitert: ”Denn für diese Welt seid ihr gestorben”, schreibt Paulus den historisch gesehen, offensichtlich lebendigen Kolosser, ”aber Gott hat euch mit Christus bereits ewiges Leben geschenkt, auch wenn das jetzt noch verborgen ist”. Vor unserem eigentlichen Tode, sind wir mit Jesus in seinem Tode gestorben und sind durch Jesu Auferstehung lebendig.
Diese Angelegenheit wird in Epheser 2,5-6 am deutlichsten hervorgehoben, wo Paulus behauptet, da wir schon in Jesu Tod gestorben sind, sind wir alle nun mit ihm lebendig gemacht worden und sind mit ihm in die Himmel versetzt. Anders ausgedrückt, Gott schneidet nicht nur einen Zeitpunkt der Weltgeschichte in Christus an, sondern ist der ewige Zeitgenosse und in jedem Moment mit der in ihm mitinbegriffenen Menschheit gegenwärtig.
Der trintarische Theologe Robert F. Capon bestätigt diese Wahrheit in seinem Buch “Kingdom, Grace, Judgment” (Seite 410, Betonung von uns hinzugefügt):
Die geoffenbarte Glaubenswahrheit, die sich im Tode Jesu zeigt, vergibt uns heute, weil sie heute ebenso gegenwärtig ist, wie sie am Kreuz war. Die geoffenbarte Glaubenswahrheit, die sich in seiner Auferstehung zeigte, belebt uns heute wieder, weil sie heute ebenso gegenwärtig ist, wie es war, als er das Grab verließ. Die geoffenbarte Glaubenswahrheit, die sich in seinem göttlichen Ratschluss zeigte, rechtfertigt uns heute, weil sie heute genauso gegenwärtig ist, wie sie es sein wird, wenn er in Herrlichkeit erscheinen wird.
Perichoresis
Die Beziehung, die ewige Gemeinschaft der Liebe, welche Vater, Sohn und Geist als Dreieinigkeit teilen, und die Beziehung, welche Erlösung ist (die Menschheit in Gemeinschaft mit Gott, in und durch den Gott-Mensch Jesus), schließt eine geoffenbarte Glaubenswahrheit der gegenseitigen Beziehung und gegenseitige Durchdringung menschlicher Wesen ein, was frühe griechische Kirchentheologen mit dem Wort “perichoresis” beschrieben. Sie benutzten dieses Wort, um zu beschreiben, wie sich die drei Personen der Dreieinigkeit in einem ewigen Vorgang gegenseitiger Liebe durchdringen und gleichermaßen in wechselseitiger Liebe innewohnen, wobei sich jeder dem anderen ergibt, wie wir es in Jesus Christus erkennen. In und durch Jesus Christus, der gleichzeitig völlig Gott und völlig Mensch ist, ist die Menschheit nun in diese perichoretische Vereinigung der Dreieinigkeit miteinbezogen. Diese perichoretische Beziehung ist es, die durch die Person Jesu selbst ermöglicht wurde, durch welche die Menschheit neu erschaffen, mit Gott versöhnt und errettet ist.
Der Theologe Michael Jinkins beschreibt “perichoresis” in seiner, von einer trinitarischen Ansicht her aufgebauten, systematischen Theologie, folgendermaßen (“Invitation to Theology”, Seite 91-92, Betonung von uns hinzugefügt):
In ...trinitarischer Theologie existiert ein Wort, das die Gemeinschaft innerhalb der Personen der Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, umschreibt: Dieses Wort ist perichoresis. Es ist ein griechisches Wort, das wörtlich das wechselseitige Sichdurchdringen der drei Personen der Dreieinigkeit beschreibt. Ein anderes theologisches Wort, das diese Beziehung umschreibt, ist circumincessio.
Diese Begriffe versuchen ein tiefgründiges Geheimnis der christlichen Theologie zu übermitteln, nämlich, das wechselseitige Sichdurchdringen von Vater, Sohn und Heiligen Geist und die Miteinbeziehung der Menschheit in das göttliche Leben und die Gemeinschaft, die Gott in sich selbst hat, durch den Heiligen Geist. Frühchristliche Kirchenväter, wie Johannes von Damaskus, Athanasius, die Kappadozienväter, Hilary von Poitiers und Augustin, tragen wichtige Aspekte zur Entwicklung dieses Lehrsatzes bei. Nichtsdestoweniger ist der Lehrsatz an sich im Neuen Testament offensichtlich, besonders in den Schriften des Paulus und Johannes (siehe besonders das Johannesevangelium Kapitel 14-16).
Der Gedanke, der durch das Wort ”perichoresis” übertragen wird, ist sowohl schwierig, als auch schwer zu behandeln. Wir können es am besten verstehen, wenn wir uns mit der Menschwerdung befassen. Indem das Wort Mensch wurde, schüttete Gott sein Leben in die Schöpfung hinein, währenddessen er auch gleichzeitig unser Menschsein in sein dreifaltiges Wesen aufnahm, in einem reinen Akt der Selbstverleugnung in Liebe für andere. Dieser freiwillige Akt der Selbstaufgabe, erlaubt uns einen Einblick in den Kern von Gottes ewigen Wesen, in das ewige Sichausschütten des Vaters in den Sohn, in Gottes Sichweggeben seines Eigenwesens ohne Vorbehalt. Dieser Akt der Selbsthingabe ist nichts anderes als Gott der Heilige Geist, der ewiglich vom Vater zum Sohn fließt und durch den Sohn zur Menschheit. Genauso wie der Sohn diese Liebe zum Vater in freudiger Hingabe erwidert, so kehrt der Geist ewiglich zum Vater zurück, dem Urheber allen Seins.
Jinkins fährt auf den Seiten 25-26 fort und behandelt den Gedanken von ”perichoresis”, wie er sich im Alltag bestätigt. Tatsächlich ist ”perichoresis” das reale Leben eines realen Gottes, in das wir in Jesus durch den Geist gezogen sind.
Eines Tages bat ich die Studenten ein Rätsel zu lösen. Ich spielte ihnen eine Aufnahme des Bluessänger B.B. King vor und fragte sie: “Was haben B.B. King und der Lehrsatz der „Perichoresis“ gemeinsam?” Es war erst der zweite Unterrichtstag und ich konnte sicher davon ausgehen, dass keiner der Studenten in ihrem Leben je von dem Lehrsatz der ”Perichoresis” gehört hatten. ...Aber ich ließ die Frage offen, undefiniert und unerklärt, und widerstand der Versuchung, ihnen die Antwort zu geben.
Am nächsten Morgen traf mich eine Studentin im Flur. Sie hatte fast die ganze vergangene Nacht in der Bibliothek verbracht und alles gelesen, was sie über “Perichoresis” finden konnte. Die Studentin war von ihrer Entdeckung so begeistert, dass sie kaum ein Auge zugedrückt hatte. Sie hatte sogar einen Großteil der Nacht damit verbracht, eine Studie über den Zusammenhang vom Lehrsatz der „Periochorese“ mit einer zuvor erarbeiteten Analyse über Impressionistische Kunst zu schreiben.
Ein oder zwei Jahre später rief mich ein Student an und bat mich, ihn bei einem Projekt zu einem Kaplansamt in einem Krankenhaus zu beraten, mit dem er sich gerade befasste. Er arbeitete mit AIDS-Patienten und wollte ihnen mit Hilfe des trinitarischen Lehrsatzes der ”Perichorese” helfen, Lebensqualität anstatt Lebensquantität, zu erlangen. Was diese beiden Studenten begriffen ist, dass Theologie eine tiefgründige Beziehung zum Leben besitzt, insbesondere die Beziehungen zwischen dem inneren Leben des dreifaltigen Gottes, das durch Jesus Christus offenbart ist, und unserem gemeinsamen Leben im Bilde von diesem Gott. Der Zweck des Theologieunterrichts ist es ja, ein persönliches Verständnis dieser Beziehung zu erlangen. Auch in anderer Weise werden wir daran erinnert, dass Theologie an sich keinen Selbstzweck besitzt. Das Ziel von Theologie ist es stets, unsere Leben in der Gemeinschaft mit Gott, unserem Schöpfer und Erlöser, zu vertiefen.
Ein anderer trinitarischer Theologe, Johannes von Damaskus, schrieb im Jahre 700 A.D. folgendes:
Denn sie [Vater, Sohn und Geist] sind unzertrennlich und gehen nicht auseinander, sie sind unvermischt ineinander, jedoch nicht so, dass sie verschmelzen oder vermischen, sondern so, dass sie gegenseitig zusammenhängen. Denn der Sohn ist im Vater und im Geist, und der Geist im Vater und Sohn, und der Vater im Sohn und Geist, ohne dass eine Verschmelzung, Vermischung oder Verwirrung stattfände. Und da ist ein und dasselbe Tun.
Jeder Einzelne, IN CHRISTUS
Eines der bemerkenswerten Dinge ist, dass die perichoretische Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist, kein geschlossener Kreis ist. In und durch Christus, streckt Gott seine Hand aus, um andere (die er erschaffen hat) in sein Leben und seine Liebe mit einzubeziehen. Deshalb ist nun in und durch Jesus (unser Schöpfer und Erlöser), die ganze Menschheit in der ewigen Gemeinschaft der Dreieinigkeit miteinbezogen.
So wie es Jesus seinen Nachfolgern, in der Nacht bevor der er am Kreuz starb, sagte: “Dann werdet ihr erkennen, dass ich eins bin mit meinem Vater und dass ihr in mir seid und ich in euch bin” (Johannes 14,20).
Er sagt nicht, dass sie eines Tages miteinbezogen werden, sie sind jetzt schon miteinbezogen und werden es eines Tages begreifen. Diese Aussage spricht nicht nur von Gläubigen, denn der Gedankengang von Jesus ist hier, dass die ganze Menschheit jetzt schon miteinbezogen ist, und zwar als Ergebnis dessen, was Jesus in sich im Begriffe war für sie zu erreichen. Aber natürlich ist der Tag noch nicht für jedes Individuum gekommen, diese Einbeziehung persönlich klar zu erkennen. Dieses ”gegenwärtig einbezogen sein” aber ”persönlich noch nicht klar erkannt” ist ein Schlüsselgedanke, auf den wir noch zurückkommen werden.
Erlösung dreht sich darum, dass wir ”in” Christus sind und durch Annahme verwirklichen. Es ist nicht nur eine einmalige Handlung ”von” Jesus. Erlösung ist eine Beziehung, und deshalb erwähnt Paulus in seinen Briefen häufig (über 130 Mal), dass die Menschheit “in Christus” ist. Wie Paulus, müssen wir alle Aspekte der Erlösung bedacht in Jesus alleine finden (und die ganze Menschheit in Gemeinschaft mit ihm).
Erlösung ist uns voll und nur durch die Gemeinschaft mit Jesus gegeben, und dadurch teilen wir, was Jesus als Mensch in uns und für uns tat (und tut). Mit Jesus vereint sind wir jetzt schon in Gottes dreifaltigem Leben und Liebe miteinbezogen.
Wie wir schon aus der Schrift erkannt haben, ist die ganze Menschheit durch die Gemeinschaft (Einbeziehung) mit Jesus . . .
o Mit dem Vater versöhnt
o Vom Vater gewollt, geliebt und gesucht
o Vom geliebten Sohn angenommen (Epheser 1,6)
o Vergeben (keine Sündenschuld und keine Verdammnis)
Die frohe Botschaft verkündet nicht eine für uns mögliche Verwirklichung, wenn wir Jesus glauben, sondern eine jetzige Vollendung, in die wir persönlich gerufen sind, sie anzunehmen.
Der Glaube von Christus
Galater 2,20 ist ein Schlüsselvers in Paulus’ Gedankengang über unsere Miteinbezogenheit in das Leben Christi. Beachten Sie diesen Vers in der Lutherübersetzung von 1545: ”Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben.”
Diese und andere Übersetzungen sprechen angemessen vom Teilen unseres Glaubens VON Christus (lieber als „Glaube an Christus“). Es ist der Glaube Christi, der uns rettet. Hier nun was David Torrance auf den Seiten 7-8 des Buches “An Introduction to Torrance Theology” darüber schreibt (Betonung hinzugefügt):
Wir sind durch den Glauben Christi und seinem Gehorsam zum Vater gerettet, und nicht durch unserem. Mein Bruder Thomas (Torrance) zitierte oft Galater 2,20, ein Lieblingsvers unserer lieben Mutter: “Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben.” So heißt es in der Lutherübersetzung, welche das Griechische richtig übersetzt. Es heißt “en pistei zo te tou viou tou theou” (in dem Glauben des Sohnes Gottes). Andere Übersetzer haben es scheinbar schwer gefunden, zu glauben, dass wir in Christi Glauben leben können, anstatt in unserem Glauben. Sie haben den Text verändert, damit es sich folgendermaßen liest: “lebe ich im Glauben an Jesus Christus”! Etwas gänzlich anderes! Die Übersetzung gibt nicht die stellvertretende Natur von Christi Glaubenswandel wider. Es ist sein Glaube (nicht unser Glaube), der uns rettet und durch welchen wir leben! Unser Glaube ist eine dankbare Erwiderung zu seinem Glauben. Wenn unser Leben in Gedanken vor uns abläuft und wir über die Zeiten nachdenken, in denen wir ungehorsam waren und es noch sind, dann ist es beruhigend zu wissen, dass Christus uns sein Leben des Gehorsams gegenüber dem Vater schenkt und dass es der Gehorsam Christi ist, der wirklich zählt. Wir sind durch seinen Gehorsam gerettet, nicht durch unseren.
Nun zu Elmer Colyer’s Betrachtung in “How to Read T.F. Torrance” (Seiten 113-114; Betonung hinzugefügt):
Torrance zeigt auf, dass Leute oft meinen, dass Glaube etwas wäre, was wir tun oder besitzen, eine Tätigkeit, die wir in Erwiderung zu Christus und auf die frohe Botschaft verkörpern. Da sind Schriftstellen im Neuen Testament, zu denen sich Torrance bekennt, wo Leute dazu aufgerufen werden, umzukehren, zu glauben und errettet zu werden. Aber Torrance argumentiert, dass dies nicht bedeutet, dass Glaube eine “autonome, freie Handlung“ sei, die sich nur in unserer menschlichen Tätigkeit gründet [The Mediation of Christ, Seite 82]. Torrance erkennt im Neuen Testament, dass Glaube stark personifiziert ist, denn Jesus Christus wendet in seiner Person, unsere eigensinnige, ungläubige Wesensart zurück zu Gott.
Im folgenden Satz wird die radikale Bedeutung von Torrance’s Gedankengang klar: “Jesus steigt in die eigentliche Situation ein, wo wir aufgerufen werden, Glauben an Gott zu haben, ihm zu glauben und zu vertrauen, und er handelt an unserer statt, aus den Tiefen unserer Ungläubigkeit heraus und schenkt uns Treue, an der wir teilhaben können ...Das bedeutet, wenn wir Glauben oder Treue als eine menschliche Handlung vor Gott betrachten, dann müssen wir Jesus Christus an unserer statt als gläubig und treu zum Vater sehen [Seite 82-83]. Torrance räumt ein, dass es für viele schwierig ist dies zu akzeptieren, besonders für diejenigen in westlicher Kultur, in der man kompetente und unabhängige Individuen schätzt.
Glaube bringt zwischen Gott und Menschen eine polare Beziehung mit sich. Aber in der frohen Botschaft ist der Pol der Menschheit durch den stellvertretenden Glauben und der Treue von Christus an unserer Statt tatsächlich realistisch dargestellt worden. Durch seine Menschwerdung und Versöhnung, ist unser Glaube in seinem inbegriffen [Seite 84]. Dadurch wird unser Glaube durch den stellvertretenden menschlichen Glauben von Christus keineswegs unpersönlich gemacht oder entmenschlicht. Vielmehr erhebt sich unser Glaube, durch die Vereinigung mit Christi stellvertretendem Menschsein, „frei und von innen heraus in unserem irdischen Leben in die Gegenwart von Gott.“ Torrance besteht darauf, daß der Glaube, den wir bekennen, in dem Glauben von dem historischen Jesus Christus zu finden ist, der im Leben und Tod, im völligen Vertrauen zu Gott dem Vater lebte.
Aber wie verhält es sich mit der menschlichen Freiheit?
Wenn wir durch das Leben (Glaube und Gehorsam) von Jesus Christus gerettet und in diese Errettung miteinbezogen sind, worin besteht dann unsere Rolle? Welchen Sinn hat dann die menschliche Freiheit? Betrachten Sie folgende Wahrheiten:
o Die ganze Menscheit ist nun durch Gottes souveräner Entscheidung und Wirken in Christus miteinbezogen (adoptiert). Dieser Einschluss war vorherbestimmt und wurde durch Jesus ausgeführt, abseits irgendwelcher Handlungen, Glauben, Werken etc. unsererseits. Es ist einfach schon geschehen.
o Jeder Mensch ist nun durch die Eingebung des Geistes dringend dazu angehalten, Gottes Worte zu glauben und seine Liebe und seine Liebe persönlich anzunehmen.
o Gott zwingt diese persönliche Entscheidung bzw. Annahme niemanden auf, denn Liebe muss frei gegeben und frei empfangen werden. Liebe kann nicht erzwungen werden oder sie ist nicht Liebe.
o So ist die menschliche Entscheidung von großer Bedeutung, jedoch nur in diesem Zusammenhang.
Allgemeingültiges kontra Persönliches
Wenn wir von menschlicher Entscheidung reden, reden wir von persönlicher Stellungsnahme. Und wir müssen aufpassen, um nicht das, was für die Menschheit allgemeingültig in Jesus gilt (objektiv), mit der persönlichen Erfahrung einer einzigen Person (subjektiv) zu verwechseln. Letzten Endes, dreht sich alles um Jesus: ”Auch ihr verdankt alles, was ihr seid, der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Er ist Gottes Weisheit für uns. Durch ihn haben wir Anerkennung vor Gott gefunden, durch ihn können wir ein Leben führen, wie es Gott gefällt, und durch ihn sind wir auch befreit von unserer Schuld” (1 Korinther 1,30).
In diesem Lichte beachten Sie folgende Punkte, die von Dr. Dan Rogers, Direktor der WKG Kirchenadministration und Entwicklung, in seinem Vortrag bei den WKG Konferenzen 2008, mitgeteilt wurden:
o Wir ”entscheiden uns nicht für Christus”, in dem Sinne, dass unsere persönliche Entscheidung unsere Errettung verursacht.
o Es verhält sich vielmehr so, dass wir durch unsere persönliche Entscheidung das ”akzeptieren”, was uns in Christus schon zuteil wurde, und unser Vertrauen in jenen setzen, der an unserer Stelle und als unser Repäsentant schon für uns Vertrauen ausgeübt hat.
o Selbst dieses Vertrauen ist ein Geschenk Gottes. Von seinem Geist werden wir geleitet, nicht unserem Glauben zu vertrauen, sondern dem Glauben Jesu, den er in Gemeinschaft mit uns, für uns glaubt.
o Diese objektive Gemeinschaft, welche wir mit Christus besitzen, indem er Mensch wurde und unsere Menschlichkeit in sich aufnahm, ist demgemäß persönlich und in diesem Maße individuell in uns durch das Innewohnen des Heiligen Geistes klar erkannt.
o Wenn wir persönlich glauben (akzeptieren), was schon unseres ist, fangen wir an, uns über Gottes Liebe zu uns, zu freuen.
o Wenn wir persönlich glauben, dass Gott uns vergeben hat, fangen wir an, uns über Gottes Vergebung zu freuen.
o Diese persönliche, subjektive Freude unserer Errettung ist der Schlüssel. Sie verwandelt uns und kehrt unser Inneres nach außen, genauso wie der Geist unsere Gedanken in Jesus reinigt.
Wie Dan betont, ist eines der Hauptgedanken einer Trinitarischen, Christuszentrierten Theologie, zu verstehen, dass in Jesus eine allumfassende (objektive) Grundlage für die Menschheit vorhanden ist und ebenso die persönliche (subjektive) Erfahrung dieser Wahrheit.
Objektiv gesehen, sind alle Menschen (in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft) schon gerechtfertigt worden; alle sind geheiligt; alle sind in Jesus durch das, was er an ihrer Statt und um ihret Willen getan hat, versöhnt. In Jesus ist, objektiv gesehen, das alte Ich bereits abgestorben. In ihm, objektiv gesehen, sind wir schon jetzt die neue Menschheit, und als solche durch ihn vor und mit Gott, vertreten.
Jedoch, obwohl die Erlösung aller Menschen jetzt schon, objektiv gesehen, durch Jesus Christus vollbracht wurde, haben viele (die meisten?) persönlich noch nicht (und deshalb in subjektiver Weise) verstanden und akzeptiert, was Gott für sie getan hat und demzufolge wer sie in der Gemeinschaft mit Jesus wirklich sind.
Was objektiv und allgemein wahr ist, muss subjektiv und persönlich erfahren oder angenommen werden. Dieses ”erfahren” oder ”annehmen” an sich schafft oder bewirkt keineswegs die Erlösung einer Person, aber dadurch wird sie persönlich verwirklicht. Diese persönliche Verwirklichung ist Gottes gutes Werk und aus reiner Gnade, so wie auch die allumfassende Zugehörigkeit darauf hinweist.
In der heiligen Schrift finden wir einige Verse, die das Allgemeine bzw. Objektive ansprechen, währendem andere das Persönliche bzw. Subjektive ansprechen. Beide sind ”real” und beide sind ”wahr”, aber das Persönliche ist nur wahr, weil das Allgemeine zuvor vorhanden war.
Diese zwei Kategorien findet man in allen Teilen der Heiligen Schrift und manchmal findet man beide in einer Schriftstelle, wie in 2. Korinther 5,18-21. In den Versen 18-19 beginnt Paulus mit dem Objektiven bzw. Allgemeinen: ”All dies verdanken wir Gott, der durch Christus mit uns Frieden geschloßen hat [Vergangenheit]. Er hat uns beauftragt, diese Botschaft überall zu verkünden. Denn Gott ist durch Christus selbst in diese Welt gekommen und hat Frieden mit ihr geschloßen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet. Gott hat uns dazu bestimmt, diese Botschaft der Versöhnung in der ganzen Welt zu verbreiten.”
Hier liegt eine allgemeine Wahrheit vor, die objektiv gesehen, für alle gilt, da alle jetzt schon mit Gott versöhnt sind durch das, was Jesus in Gemeinschaft mit der Menschheit vollbracht hat.
Jede Theologie, die gegenüber der Heiligen Schrift und Jesus treu ist, muss diese allgemeine Wahrheit achten. Leider übergehen viele Theologien diesen Aspekt und konzentrieren sich nur auf das Persönliche bzw. Subjektive. So zu verfahren, ist ein Fehler, denn der allgemeine bzw. objektive Aspekt, der erklärt, wer Jesus ist und was er vollbracht hat, ist die Grundlage auf dem der persönliche oder subjektive Aspekt ruht.
Da er nun die allgemeine Grundlage in den Versen 18-19 gelegt hat, fährt Paulus in den Versen 20-21 fort, um die subjektiven bzw. persönlichen anzusprechen: ”Als Botschafter Christi fordern wir euch deshalb im Namen Gottes auf: Laßt euch mit Gott versöhnen! Wir bitten euch darum im Auftrag Christi. Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und Menschen werden, die Gott gefallen.”
Liegt hier ein Widerspruch vor? Wie können denn alle (jetzt schon) “versöhnt” sein und dann trotzdem gebeten werden, sich mit Gott versöhnen zu lassen - auf eine Versöhnung hinweisend, die sich noch ereignen soll? Die Antwort liegt darin, dass beides wahr ist und das zwei Aspekte zu einer Wahrheit vorliegen. Alle sind jetzt schon in Christus versöhnt (die allgemeine und objektive Wahrheit), aber noch nehmen nicht alle diese Versöhnung an und erfahren deshalb ihre Versöhnung mit Gott noch nicht.
Versöhnt zu sein, aber es noch nicht zu erkennen (erfahren), bedeutet, dass man weiterhin so lebt, als ob man nicht versöhnt ist. Wenn der Geist einem die Augen zu dieser Versöhnung öffnet, und man sie dann auch annimmt und erfährt, bedeutet es nicht, dass die Versöhnung dadurch verursacht wurde, sondern nur, dass sie persönlich verwirklicht wurde. Deshalb wird man von den Stellvertretern Christi aufgerufen, sich zu “versöhnen” [Vers 20]. Dieser Auftrag verursacht aber nicht die Versöhnung, sondern man wird aufgerufen, die Versöhnung, die schon mit Gott in Christus vollendet ist, anzunehmen.
Viele zeitgenössische Theologien neigen dazu das Allgemeine bzw. Objektive zu übersehen, oder wenigstens sehr zu unterschätzen. Das heißt aber nicht, dass diejenigen, die solche Theologien lehren, Heretiker oder gar minderwertige Christen sind. Viele Menschen haben Jesus mit Hilfe von wohl gesonnenen, tief bekehrten Christen angenommen, die aus einer wenig erschöpfenden Theologie heraus lehren oder predigen. Keiner kann behaupten eine vollkommene Theologie zu besitzen. Jedoch ist es unsere tiefe Sehnsucht, eine Theologie anzunehmen und aus ihr heraus zu lehren, die der Heiligen Schrift gegenüber und Jesus völlig treu ist, den sie verkündet.
TEIL ZWEI: FRAGEN UND EINWENDUNGEN
Da der erste Teil hinter uns ist, hat man als Leser vielleicht Fragen oder sogar Einwendungen. Wir werden nun einige der häufigsten Fragen und Einwendungen behandeln und die Schriftstellen untersuchen, die den Anschein haben, den Behauptungen dieser Theologie zu widersprechen.
Wie verhält es sich mit Umkehr und Glaube?
Wenn alle schon in Christus mit Gott versöhnt sind, warum spricht die Bibel so viel von Umkehr und Glaube? Um diese wichtige Frage zu beantworten, lassen Sie uns mit einem Zitat von WKG Präsident, Dr. Joseph Tkach beginnen, der in einem Spenderbrief im April 2008 schrieb:
Als sie zum Glauben kamen, wurde vielen Christen gesagt, dass sie völlig von Gott abgeschnitten sind und dass das Blut Christi für sie nicht zugänglich ist, es sei denn, dass sie umkehren und Glauben beweisen. Als sie dann diesem Irrtum glauben schenkten, führte dies zu einem weiteren Irrtum, nämlich, dass jedes Mal, wenn sie wieder in Sünde zurückfielen, Gott ihnen seine Gnade entzog und das Blut Christi sie nicht länger bedeckte. Wenn sie über ihre Sündhaftigkeit mit sich selber ehrlich sind, machen sie sich deshalb während ihres ganzen christlichen Lebens Gedanken, ob Gott sie verworfen hat.
Die frohe Botschaft besagt nicht, dass wir von Gott abgeschnitten sind und dass wir etwas tun müssen, damit Gott uns seine Gnade erweist. Die frohe Botschaft sagt uns, dass in Jesus Christus, Gott der Vater alles mit sich versöhnt hat, einschließlich Ihnen und mir, einschließlich aller Menschen.
Dr. Tkach spielt hier auf Kolosser 1,15-20 an: “Christus ist das Abbild seines Vaters; in ihm wird der unsichtbare Gott für uns sichtbar. Vor Beginn der Schöpfung war er da. Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist, alles Sichtbare und Unsichtbare, alle Königreiche und Mächte, alle Herrscher und Gewalten. Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Denn Christus war vor allem anderen; und nur durch ihn besteht alles. Er ist das Haupt der Gemeinde, die sein Leib ist. Mit ihm hat alles angefangen. Weil er in allen Dingen der Erste ist, war er auch der erste, der von den Toten zu neuem Leben auferstand. Denn Gott wollte mit allem, was er ist und hat, in seinem Sohn wohnen. Alles im Himmel und auf der Erde sollte durch Christus mit Gott wieder versöhnt werden und Frieden mit ihm finden. Das ist geschehen, als er am Kreuz sein Blut vergoß.“
Jesus, der alles (einschließlich aller Menschen) erschaffen hatte, hat durch seine Menschwerdung ”alle Dinge” (wiederum, einschließlich aller Menschen) in sein stellvertretendes, represäntatives, menschliches Leben, seinen Tod und seine Auferstehung miteinbezogen. Diese Einbeziehung selber, vollbrachte die Versöhnung aller Kreatur mit Gott. Es gibt zu dieser Miteinbezogenheit ”aller” keine Ausnahmen, und die Versöhnung ist uneingeschränkt durch Gottes eigenes Wirken vollendet worden und voll und ganz durch Gnade (und nicht durch irgendeinen Verdienst oder durch gute Werke unsererseits). Dies ist die atemberaubende und allumfassende frohe Botschaft.
Allerdings gibt es ein dazugehöriges Thema und dabei dreht es sich um Umkehr und Glauben. Einzelne Menschen haben noch nicht erkannt, dass sie mit Gott in Christus versöhnt sind und sie “verstehen” es noch nicht. Diese anhaltende Blindheit hat entsetzliche Folgen.
Lasst uns mit Paulus in Kolosser 1 und den Versen 21-23 fortfahren: „Auch ihr habt früher von Gott nichts gewußt und seid mit euerm bösen, sündigen Leben bisher seine Feinde gewesen. Durch seinen Tod hat euch Christus mit Gott versöhnt, so dass ihr einmal ohne Sünde und ohne jeden Makel vor Gott stehen könnt. Bleibt nur fest und unerschütterlich in eurem Glauben, und lasst euch durch nichts davon abbringen! Keine Macht der Erde soll euch die Hoffnung des Evangeliums rauben, das euch wie allen anderen Menschen dieser Erde verkündet worden ist. Im Auftrag Gottes verkündige ich, Paulus, dieses Evangelium.“
Paulus zeigt auf, dass trotz allgemeiner Versöhnung in der Gesinnung von einzelnen Ungläubigen eine Entfremdung gegenüber Gott verbleibt. Obwohl sie in Jesus miteinbezogen sind, und dadurch in Gottes Liebe und Leben als seine einbezogenen Kinder leben, ”verstehen” sie es nicht, sie ”erfassen” es nicht, und bleiben in ihrer Gesinnung Gott gegenüber entfremdet, obwohl Gott in seiner Gesinnung ihnen gegenüber gewiss nicht entfremdet ist.
Ungläubige müssen daher ”nicht mit Gott versöhnt werden”, sondern müssen sich von der entfremdeten Haltung gegenüber Gott abkehren, die sie noch in ihrer Gesinnung festhalten. Dieses”Abwenden” und ”Hinwenden” ist Reue und Glauben.
Im Neuen Testament wird das griechische Wort ”metanoia” benutzt, was mit dem Wort ”bereuen” übersetzt wird. “Bereuen” ist vielleicht nicht die beste Übersetzung, denn es suggeriert, dass bereuen etwas mit Buße zu tun hat. Das griechische Wort bedeutet eigentlich eine “Sinnesumkehr”. Die ganze Menschheit ist vom Heiligen Geist dazu eingeladen und befähigt, eine solche radikale Sinnesumkehr zu erfahren.
o Weg von einer Gesinnung der Entfremdung gegenüber Gottes Leben, worin wir in unseren Gedanken (aber nicht in Gottes Gedanken) Gottes Feinde sind.
o Hin zu einer Gesinnung, die annimmt (glaubt) und vertraut, wer Gott ist und wer wir in ihm, durch unsere Gemeinschaft in Jesus, sind.
Beachten wir die Aufforderung von Petrus in Apostelgeschichte 2,38-39: „«Ändert euch und euer Leben [metanöo = Sinnesumkehr]! Wendet euch Gott zu!» forderte Petrus sie auf. «Lasst euch auf den Namen Jesu Christi taufen, damit euch Gott eure Sünden vergibt und ihr den Heiligen Geist empfangt [lambano = entgegennimmt]. Das alles ist euch, euern Nachkommen und den Menschen in aller Welt zugesagt, die der Herr, unser Gott, in seinen Dienst berufen wird.“
Vergibt Gott der reuigen Person im Tausch für ihre Reue und ihren Glauben? Oder ist Vergebung ein bedingungsloses (freies) Geschenk und dementsprechend vollkommen aus Gnade, so wie es die Heilge Schrift verkündet?
Die Wahrheit der frohen Botschaft, welche die Wahrheit über Jesus und die ganze Menschheit in Gemeinschaft mit Gott in Jesus ist, bedeutet, dass Gott der gesamten Menschheit schon vergeben hat, mit einer Vergebung, die bedingungslos und demgemäß wirklich frei ist. Deshalb lädt uns Petrus ein, umzukehren und der Wahrheit zu glauben und mit dem Heiligen Geist in die Gedankenwelt Jesu getauft zu werden, welches die übernatürliche Gewissheit enthält, dass wir wahrhaftig die Kinder Gottes sind.
Reue (metanoia) ist ein radikaler Wechsel im Denken über Jesus und darüber, wer wir in Gemeinschaft mit ihm sind, besonders von alldem, was wir getan haben oder noch tun werden. Durch Reue, die ein Geschenk Gottes an uns ist, sind unsere Gedanken in Jesus durch den Heiligen Geist ”erneuert”.
Der Heilige Geist bewegt uns, umzukehren, ”weil” unsere Vergebung in Christus bereits abgeschlossen ist, nicht ”um” Vergebung zu erlangen. Wir kehren um, da wir verstehen, dass in Jesus, unsere Sünden schon vergeben wurden und dass wir in Jesus eine neue Schöpfung sind. Mit dieser Umkehr wenden wir uns von der inneren Entfremdung ab, genauso wie der Heilige Geist uns in die Annahme von Jesus tauft und in die damit verbundene Gewissheit göttlicher Gnade.
Wenn die Welt nun versöhnt wurde, warum würde Jesus sagen, dass er nicht für die Welt betet?
Beachten wir Jesus’ Worte in Johannes 17,9: „Für sie bitte ich dich jetzt: für die Menschen, die du mir anvertraut hast und die zu dir gehören; nicht für die ganze Welt.“
Es ist wichtig zu verstehen, wie Johannes, im Zusammenhang seines Evangeliums, das Wort “Welt” (“kosmos” im Griechischen) benutzt. Manchmal bezeichnet dieses Wort ”alle Menschen” (die alle von Gott geliebt sind, siehe Johannes 3,16) und manchmal bezeichnet dieses Wort das weltliche ”System”, das Gott gegenüber feindlich ist.
Anscheinend ist es dieses “System”, welches Jesus hier in Johannes 17 im Sinn hatte. Da dieses System Gott widersteht, hat Jesus sie im Gebet ausgeschlossen. Er betet nicht für die Welt, wie sie ist, d.h. nicht dafür “wie es in dieser Welt üblich ist” (Eph. 2,2), sondern, er betet für eine Gruppe von Menschen, die er dazu beauftragt, hinauszugehen und die Welt zu verändern. Beachten Sie in Johannes 17,21 und 23 GUTE NACHRICHT, wo Jesus für seine Anhänger betet: „Ich bete darum, daß sie alle eins seien, so wie du in mir bist, Vater, und ich in dir. So wie wir sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ „Ich lebe in ihnen, und du lebst in mir; so sollen auch sie vollkommen eins sein, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass du sie, die zu mir gehören, ebenso liebst wie mich.“
Hier nun die revidierte Elberfelder Übersetzung von Vers 23: “Ich in ihnen und du in mir -, dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.”
Bedenken wir, dass Gott die ganze Welt liebt, und zwar mit der gleichen Liebe, die er seinem Sohn, Jesus Christus, entgegenbringt. Und das ist wirklich gute Nachricht!
Warum sagt Paulus, dass man nicht zu Christus gehöre,
wenn man Christi Geist nicht hat?
Beachten wir Römer 8,9 GUTE NACHRICHT: „Ihr [Christen] aber seid nicht mehr von eurer eigenen Natur bestimmt, sondern vom Geist. Es will doch etwas besagen, dass der Geist Gottes in euch Wohnung genommen hat! Wer diesen Geist - den Geist von Christus - nicht hat, gehört auch nicht zu ihm.“
Liebt Christus diese Person nicht, die “nicht zu ihm gehört”? Natürlich liebt Jesus diese Person, denn er starb für alle Menschen. Da diese Person aber nicht vom Geist geleitet wird (kein Glaubender ist), “gehört” sie, subjektiv gesehen, nicht zu ihm, obwohl, objektiv gesehen, die Person sicherlich zu Jesus gehört, der sie erschaffen hat und für sie gestorben ist, um sie mit dem Vater zu versöhnen.
Nun zu Kolosser 3,11 GUTE NACHRICHT: ”Wo diese Erneuerung geschehen ist, da zählt es nicht mehr, ob jemand zu den Griechen gehört oder zu den Juden, ob jemand beschnitten ist oder unbeschnitten, ob jemand zu einem unzivilisierten Volk gehört oder gar zu einem Stamm von Wilden, ob jemand im Sklavenstand ist oder frei. Was einzig noch zählt, ist Christus, der in allen lebt und der alles wirkt [alles und überall, allen Menschen, ohne Unterschied der Person].
Beachten Sie Epheser 4,6: “Und wir haben nur einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt”. Alle sind miteinbezogen und alle gehören Christus an, aber nicht alle wissen es und nicht alle erfahren es und leben aus dieser Wahrheit.
Sagen Sie, dass es keinen Unterschied
zwischen einem Christen und einem Nichtchristen gibt?
Nein. Was wir sagen ist, dass auf Grund dessen, wer Jesus ist und was er vollbracht hat, alle Menschen, Gläubige und Nichtgläubige, mit Gott in und durch Jesus vereint sind. Jesus formte diese Vereinigung in sich selbst durch seine Menschwerdung, Leben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt. Die Folge ist, dass alle Menschen mit Gott versöhnt sind und alle als geliebte Kinder Gottes adoptiert worden sind. Alle sind durch Jesus nun in die trinitarische Liebe und Leben Gottes (Vater, Sohn und Heiliger Geist) miteinbezogen. Jedoch wissen nicht alle Menschen, wer sie in Christus sind. So haben nicht alle Umkehr erfahren (eine Änderung im Gottverständnis und das Verständnis von dem, was sie selbst sind) und haben sich deshalb nicht ihrem himmlischen Vater im Glauben zugewandt, Jesus ihr Vertrauen geschenkt und „ihr Kreuz auf sich genommen“, um Jesus als Jünger zu folgen.
Einige trinitarische Theologen, die diesen persönlichen Unterschied zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen beachten, sagen dass die ganze Menschheit mit Gott versöhnt ist, und dass die Gläubigen beides sind, versöhnt und erlöst. Wie immer man es versucht auszudrücken, Gläubige haben eine persönliche und verwirklichte Teilnahme an der Gemeinschaft, die die ganze Menschheit mit Gott in Christus hat.
Dieser Unterschied zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen kann auch so ausgedrückt werden, dass alle Menschen in Christus miteinbezogen sind (allgemein), aber nur Gläubige aktiv (individuell) an dieser Miteinbezogenheit teilnehmen.
Von diesen Unterschieden wird oft im Neuen Testament geredet und sie müssen ernst genommen werden. Jedoch dürfen wir mit diesen Unterschieden nicht zu weit gehen und meinen, dass Nichtgläubige von Gott nicht angenommen oder nicht geliebt sind. Sie auf diese Weise zu sehen, würde bedeuten, die große Wahrheit zu übersehen, wer Jesus Christus ist und was er für die Menschheit (schon) vollbracht hat. Es würde die “guten Nachrichten” (das Evangelium) in “schlechte Nachrichten” verwandeln.
Wenn wir die ganze Menschheit in Christus vereint sehen, dann fallen einige der Kategorien weg, die wir möglicherweise in unserem Denken hatten. Wir sehen Nichtgläubige nicht mehr als „Außenseiter“ an, sondern als Kinder Gottes, die noch erkennen müssen, wie sehr ihr Vater sie liebt, sie mag und sie will. Wir betrachten sie als Brüder und Schwestern. Wissen sie, wer sie in Christus sind? Nein? Unser Privileg ist es dann, ihnen von Gottes Liebe zu ihnen zu erzählen und sie einzuladen, umzukehren, ihr Vertrauen (Glaube) in Jesus zu setzen und ihm, als einen seiner Jünger zu folgen.
Warum gibt es dann ein Letztes Gericht und eine Hölle?
Wenn wir jetzt schon mit Gott versöhnt sind und in Jesus’ Gnade miteinbezogen sind, warum redet die Bibel so oft vom Letzten Gericht und der Hölle? Wie mit allen solchen Fragen, müssen wir von der grundlegenden Wahrheit ausgehen, nämlich wer Jesus Christus ist. Jesus ist unser Erlöser und unser Richter, mit beiden Funktionen in einer Person. Er hat auch keine Persönlichkeitsspaltung. Es wird derselbe Jesus sein, der für das Letzte Gericht erscheint, als der Jesus, der für uns (und mit uns) am Kreuz starb. Denken Sie über diese Frage innerhalb des Rahmens nach, den wir als wahr erkannt haben, und folgende Punkte kommen zum Vorschein:
o Jede Person, die zur Hölle geht, wird schon in Jesus miteinbezogen worden sein und mit Gott versöhnt worden sein, also vergeben, adoptiert und angenommen worden sein. Es ist nur ihr persönlicher (subjektiver) Unglaube, also ihre Entfremdung und Ablehnung von Gottes Vergebung (Gottes Annahme), die sie fortdauernd dazu verleitet, in ihrem ”nein” zu Gottes widerhallenden und frei gegebenen ”Ja” zu verharren.
o Das Letzte Gericht ist mit einer allgemeinen Auferstehung verbunden, wenn alle Jesus und sich selbst in Jesus klar erkennen werden. Für Entfremdete, für Nichtgläubige, wird dies eine Krise hervorrufen, die für manche eine erste Einladung zur Umkehr und zum Glauben bilden wird.
o Die grundlegende Frage, die im Letzten Gericht beantwortet werden muss, lautet: “Akzeptieren Sie Gottes Liebe, Gottes Vergebung in Christus und Gottes Annahme? Werden Sie zum Hochzeitsmahl eingehen?” Hier abzulehnen bedeutet, dass man sich vom Ursprung seines Seins und seinen Mitmenschen abkehrt, und diese Entfremdung (welche durch ihre Entscheidung andauert) ist beklagenswerte Hölle, die in der Bibel als ”Finsternis” und ”ewiges Feuer” beschrieben wird.
C.S. Lewis schrieb (in “The Problem of Pain” / ”Das Rätsel des Schmerzes”) über die Hölle folgendes:
Ich würde jeden Preis zahlen, um wahrheitsgetreu zu behaupten, dass “alle errettet werden”. Aber mein Verstand kontert: “Ohne ihren Willen, oder mit ihrem Willen?” Wenn ich “ohne ihren Willen” sagen würde, erkenne ich sofort einen Widerspruch. Wie kann denn ein höchst freiwilliger Akt der Selbsthingabe unfreiwillig sein? Wenn ich “mit ihrem Willen” sage, erwidert mein Verstand: “Wie denn, wenn sie sich weigern”?
Wir haben es hier mit der offenbarten Glaubenswahrheit vom Übel zu tun, in einem Universum, wo Gott völlig souverän ist und mit der Tatsache, dass Gott niemanden, die von ihm geschenkte Entscheidungsfreiheit wegnimmt. Sie müssen frei bleiben, um zu dem “ja”, welches Gott ihnen in Jesus freiwillig gegeben hat, “ja” oder “nein” sagen zu können (2. Kor. 1,18-20).
Bedenken Sie, was Robert F. Capon in seinem Buch “The Mystery of Christ . . . and Why We Don’t Get It” (Seite 10) schreibt:
Es gibt keine Sünde, die man begehen kann, die Gott in Jesus Christus nicht schon vergeben hat. Es ist totaler Quatsch, dass die guten Menschen im Himmel landen und dass die bösen Menschen in der Hölle landen. Im Himmel wird man nur verziehene Sünder vorfinden und nicht geistliche oder moralische Asse. Auch in der Hölle wird man nur verziehene Sünder vorfinden. Der einzige Unterschied zwischen beiden Gruppen ist, dass die im Himmel, die Sündenvergebung annehmen, und dass die in der Hölle, sie verwerfen. Deshalb wird im Himmel eine Feier stattfinden, die endlose Hochzeitsfeier des Lammes und seiner Braut, und die Hölle ist nichts weiter als das trostloseste Gericht in der Stadt.
Nun ein Auszug aus dem Buch “Die Große Scheidung” von C.S. Lewis:
Letzten Endes gibt es nur zwei Menschengruppen. Diejenigen, die zu Gott sagen, “Dein Wille geschehe”, und diejenigen, zu denen Gott sagt, “Dein Wille geschehe”. Alle, die in der Hölle landen, entscheiden sich für die Hölle. Ohne diese eigene Entscheidung, würde es keine Hölle geben. Keine Seele, die ernsthaft und beständig Freude begehrt, wird sie jemals vermissen. Diejenigen, die suchen, werden finden. Denjenigen, die anklopfen, wird aufgetan.
Trinitarische Theologen werden oft beschuldigt, dass sie die Realität der Hölle bestreiten. Karl Barth wurde das gleiche nachgesagt. In Widerlegung dessen, teilte er einen starken Traum mit seinem Freund, in dem er die Hölle als eine...
...riesige Wüste sah, die unerträglich kalt war, nicht heiß. In dieser kalten, verlassenen Wüste, saß eine einzelne Person, ganz isoliert und sehr einsam, so einsam, dass Barth beim Ansehen dieser Person deprimiert wurde. Am Ende der Beschreibung sagte Barth zu seinem Freund: “Es gibt Menschen, die behaupten, dass ich diesen Teil (die Hölle) vergessen habe. Ich habe nicht vergessen. Ich weiß mehr über die Hölle als andere. Aber wegen diesem Wissen, muss ich über Christus reden. Ich kann nie genug vom Evangelium Christi verkündigen” [aus “Memories of Karl Barth” von Eberhard Busch, in „How Karl Barth Changed My Mind“ von Donald McKim, Seiten 13-14].
Die Bibel redet ganz genau vom Letzten Gericht und von der Hölle, da Gott uns die Freiheit schenkt, um für das zu antworten, was er für uns in Christus vollbracht hat. Wir sind in Christus miteinbezogen, jedoch können wir diese Miteinbeziehung verweigern. Wir sind mit dem Vater versöhnt, aber wir können diese Versöhnung verweigern.
Eine solche Verweigerung hat entsetzliche und ewige Konsequenzen, aber es kann nicht die Allgemeingültigkeit verneinen, die Gott für die ganze Menschheit in Christus vollbracht hat.
Aber warum sind einige Namen nicht im Buch des Lebens zu finden?
Hierzu nun Offenbarung 13,7-8 LUTHER ”Und ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu überwinden; und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen in dem Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist.“
Zuerst müssen wir festhalten, daß der Begriff “Lebensbuch” eine Metapher ist. Gott ist allwissend und benutzt kein Buch, um seine Erinnerung aufzufrischen. Diese Metapher enstand im Altertum, wo man Bewohnerlisten führte.
Die Metapher wird in Psalm 69,29 benutzt (LUTHER): ”Tilge sie aus dem Buch des Lebens, dass sie nicht geschrieben stehen bei den Gerechten.“ Hier deutet David an, dass diese üblen Menschen ihre Namen in das Buch des Lebens geschrieben haben, und er bittet Gott, sie zu entfernen. Der Punkt hier ist, dass sie schon miteinbezogen sind. Aber in Offenbarung 13,8 sind die Namen nicht mitinbegriffen. Was ist der Unterschied?
David und Johannes gehen dieses Thema aus zwei unterschiedlichen Perspektiven an. Egal, von welcher Sicht man ausgeht, es ist keine gute Sache, seinen Namen in diesem, im übertragenen Sinne geführte, Buch des Lebens nicht vorzufinden.
Wenn man aber seinen Namen dort nicht vorfindet, bedeutet es, dass es zukünftig keine Gelegenheit gibt, dort seinen Namen aufgeschrieben vorzufinden? Johannes schließt die Möglichkeit nicht aus, dass die Namen der Menschen, die sich gegen das Lamm auflehnen, zukünftig aufgeschrieben werden.
Johannes sagt uns, dass Satan ”die ganze Welt” verführt hat (Off. 12,9). Ist dies die Schuld dieser verführten Welt? Nein. Die größte Verführung geschieht in der “Endzeit”, die mit Jesus’ Leben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt begann.
Beachten Sie 2. Thessalonicher 2,8-12 LUTHER: „...und dann wird der Böse offenbart werden. Ihn wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. Der Böse aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, dass sie gerettet würden. Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.“
Dazu jetzt Römer 11,32 LUTHER: “Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.“
Bevor Paulus seine Berufung auf dem Damaskusweg erfuhr, war er seinem Unglauben überlassen und hat gegen Jesus gekämpft, genau wie andere, verführte Rebellen, die in diesen Schriftstellen mitinbegriffen sind. Aber Gott öffnete seine Augen, um Jesus zu erkennen und um sich selbst im Lichte Jesu zu sehen. In der Folge veränderte sich alles. Es war so, als wenn dann Paulus’ Name im „Buch des Lebens“ gefunden wurde.
In der WKG ist es unsere Überzeugung, dass Gott jedem Menschen gerechte Bedingung und Gelegenheit geben wird, um das Verständnis zu erlangen, welches Paulus geschenkt wurde. Mit diesem Verständnis ist auch eine persönliche Entscheidung verbunden, und zwar “ja” zu Gottes “ja” in Jesus zu sagen, oder “nein” zu sagen.
Nun zu Römer 11:25-26 LUTHER: „Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob.“
Hier erkennt man wieder die Anspannung zwischen dem Allgemeinen (welches schon vollbracht wurde) und dem Persönlichen (welches noch vollbracht werden muß). Die Namen aller Menschen (inklusive die der Israeliten) sind, im allgemeinen oder objektiven Sinn, im Buch des Lebens niedergeschrieben (man könnte sagen, mit dem Blut des Lammes) und nun müssen sie diese Niederschrift entweder annehmen oder verwerfen. Obwohl eine Verwerfung nichts an dieser Gemeinschaft mit Gott verändert, verursacht sie eine anhaltende und sich vertiefende Entfremdung, die einer Auslöschung ihrer Namen aus dem Buch gleichkommt.
Warum sagt Petrus, daß es schwer sei, errettet zu werden?
Beachten Sie bitte 1. Petrus 4,17-18 HOFFNUNG FÜR ALLE: ”Denn es ist Zeit für das Gericht Gottes, und es beginnt bei denen, die zu ihm gehören. Wenn aber schon wir als seine Kinder gerichtet werden, welches Ende werden dann die nehmen, die Gottes Frohe Botschaft ablehnen! Wenn schon der Gottes Urteil fürchten muss, der nach Gottes Willen lebt, wie wird es erst Gottlosen und Sündern ergehen?“ Petrus bezieht sich hier auf Sprüche 11,31: ”Wer Gott mit Ehrfurcht begegnet, wird hier auf Erden schon dafür belohnt; erst recht wird jeder bestraft, der von Gott nichts wissen will!“
Die Streitfrage dreht sich nicht um die Erlösung im “Jenseits”, sondern im ”Hier und heute”. In einem Sinne ist es nicht schwer, Erlösung, die uns durch Jesus zugänglich ist, zu erhalten. Man kehrt um und glaubt der frohen Botschaft. Jedoch, werden viele in dieser Welt, wegen der Härte der Herzen, dies nicht tun wollen. Andererseits, ist es schwierig das Heil hier auf Erden während dieser Zeiten auszuleben, besonders wenn die Welt einen verfolgt. Das ist die Streitfrage, die Petrus hier anschneidet (siehe 1. Petrus 4,12-16).
So bedeutet die „Hartherzigkeit“, die Petrus in Bezug auf Rettung anspricht, nicht, dass es hart wäre „gerettet zu werden“. Es ist tatsächlich ein freies Geschenk an uns. Aber den Weg dieses Heils in dieser Welt auszuleben, ist oft sehr schwierig, besonders in Zeiten der Verfolgung.
Wie soll man “ewige Schmach und Schande” verstehen?
Lehrt uns die Heilige Schrift nicht, dass einige ewiglich verdammt werden? Falls es so ist, wie können wir dann behaupten, dass nun alle versöhnt sind?
Lesen wir Daniel 12,2 LUTHER: „Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“
Und nun 2. Thessalonicher 1,6-9: “Denn es ist gerecht bei Gott, mit Bedrängnis zu vergelten denen, die euch bedrängen, euch aber, die ihr Bedrängnis leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht in Feuerflammen, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus. Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht“.
Beide Schriftstellen beziehen sich auf die Zeit des letzten Gerichts, wenn Jesus sich offenbart (die Apokalypse verweist manchmal auf Jesus’ „Zweites Kommen“ oder Jesus’ „Wiederkehr in Herrlichkeit”). Das ist die Zeit, wenn alle Menschen klar erkennen werden, wer Jesus ist und auf diese Weise, wer sie in Verbindung mit Jesus sind. Dieses „Offenbaren“ wird sie vor eine Entscheidung stellen. Werden sie zu ihrer Gemeinschaft mit Christus „ja“ sagen oder werden sie „nein“ sagen?
Ihre Entscheidung wird diese Gemeinschaft weder hervorrufen noch lösen, aber es wird ihre Einstellung bestimmen, ob sie weiterhin in Entfremdung (und somit in Schmach und ewiger Schande und Vernichtung) leben oder zur völligen Freude des Herrn eingehen wollen.
Für viele (vielleicht die meisten?) Menschen wird dieses letzte Gericht eine erste Gelegenheit darstellen, die frohe Botschaft von Jesus Christus zu erfahren. Uns ist nicht gegeben, die Details zu wissen. Aber in der Zwischenzeit sind viele in Unkenntnis verschlossen, und in all die Verwüstung, die diese Unkenntnis mit sich bringt.
Wir sind an die eigenen Erfahrungen von Paulus erinnert. Beachten Sie, was er in 1. Timotheus 1,13-14 HOFFNUNG FÜR ALLE sagt: “Früher habe ich ihn verhöhnt, ich habe Christus und seine Gemeinde mit blindem Hass verfolgt und bekämpft. Aber Gott hat sich über mich erbarmt und mir alles vergeben. Denn in meinem Unglauben wusste ich nicht, was ich tat. Umso reicher habe ich dann die unverdiente Güte des Herrn erfahren. Er hat mir den Glauben und die Liebe geschenkt, wie sie nur in der Gemeinschaft mit Jesus Christus zu finden sind.”
Wenn Gott einem Gotteslästerer und Christenverfolger wie Paulus (vorher Saulus genannt) Erbarmen schenkt, wird er dann nicht das gleiche für alle tun? Die Antwort ist, ja er wird es tun. Gottes Gnade wird auch auf sie reichlich ausgegossen werden. Jedoch wird Gott niemanden die Freiheit nehmen, die er ihnen geschenkt hat, zu seinem “ja” mit einem “nein” zu antworten. Warum? Weil Liebe nicht erzwungen werden kann. Unsere persönliche Annahme von Gottes freiwillig geschenkter Gemeinschaft, muss freiwillig getroffen werden.
Weiter nun in 1. Timotheus 1,15-16 HOFFNUNG FÜR ALLE: „Denn das ist unumstößlich wahr und gilt für jeden: Jesus Christus ist auf diese Welt gekommen, um uns gottlose Menschen zu retten. Ich selbst bin der schlimmste von ihnen. Doch gerade deshalb war Gott mir ganz besonders barmherzig. An mir wollte Jesus Christus zeigen, wie groß seine Geduld mit uns sündigen Menschen ist. An meinem Beispiel soll jeder erkennen, dass wirklich alle durch den Glauben an Christus ewiges Leben finden können.“
Man muss festhalten, dass diese Sünder in ihrer Umkehr ewiges Leben “finden”. Ein Leben, das sie jetzt schon mit Gott in Christus besitzen. Trotzdem ist es ein Leben, welches sie bisher nicht kannten und ganz bestimmt nicht angenommen oder ausgelebt hatten.
Bevor ihre Augen geöffnet wurden, haben diese Übeltäter und Gotteslästerer, obwohl sie viel Übles getan haben, in Unwissenheit gelebt. Erinnern Sie sich bitte an die Worte Jesu in Lukas 23,34, die an die gerichtet wurden, die ihn kreuzigten: Jesus betete: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!”
Aber es kommt eine Zeit, wo diese Unwissenheit beseitigt wird. Hierzu Johannes 5,28-29: “Wundert euch nicht darüber! Der Tag wird kommen, an dem die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Gottessohnes hören. Dann werden alle Menschen auferstehen: Die Gutes getan haben, werden ewig leben, die aber Böses getan haben, werden verurteilt.”
Das griechische Wort für “verurteilt” ist krisis, das soviel bedeutet wie “Gericht” (so wie „krisis“ in Vers 22 übersetzt wird). Beachten wir dazu auch die Übersetzung in Vers 29 in der unrevidierten Elberfelder Übersetzung: „...und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.”
Wir müssen im Sinn behalten, dass der Richter dieser Auferstehung, die zumeist die allgemeine Auferstehung genannt wird, niemand anderes als Jesus ist, der Erretter der ganzen Menschheit. Nun zu Johannes 5:22: “Denn nicht der Vater spricht das Urteil über die Menschen, er hat das Richteramt [“krisis”] vielmehr dem Sohn übertragen”.
Am Tag des Gerichts wird der Richter, Jesus, der für uns alle in unserer Unwissenheit starb, sich selbst völlig offenbaren. Im Licht dieser Wahrheit sind alle zur Entscheidung des göttlichen Gerichts (krisis) gerufen, einem Wendepunkt, wenn sie so wollen. Diejenigen, welche Jesus glauben und annehmen, gehen zu einem mit Freude erfüllten Leben ein, das sie mit Gott in Christus haben. Diejenigen, welche dieses Leben mit Gott verwerfen, gehen in ein Leben einer immer wachsenden Entfremdung ein (und die damit verbundenen, entsetzlichen Schmerzen).
Was bedeutet das enge Tor?
Lesen wir nun Jesus’ Worte in Matthäus 7,13-14 GUTE NACHRICHT: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso die Straße, die dorthin führt. Viele sind auf ihr unterwegs. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal. Nur wenige finden ihn.“
Jesus spricht hier vom heutigen Leben, also diesseits der allgemeinen Auferstehung. Heutzutage gehen die meisten Menschen auf dem breiten Weg zum Verderben. Obwohl sie schon in Christus miteinbezogen sind, leben sie so, als ob dies nicht wahr wäre. Nur „wenige“, so scheint es, haben heutzutage die Wahrheit, die in Jesus zu finden ist, angenommen - und er selbst ist das enge Tor.
Das gleiche Thema behandelt Jesus in Matthäus 7,21-23 HOFFNUNG FÜR ALLE: „Nicht alle, die zu mir sagen 'Herr, Herr', werden in Gottes neue Welt kommen, sondern nur die, die auch tun, was mein Vater im Himmel will. Am Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: 'Herr, Herr! In deinem Namen haben wir prophetische Weisungen verkündet, in deinem Namen haben wir böse Geister ausgetrieben und viele Wunder getan.' Und trotzdem werde ich das Urteil sprechen: 'Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt versäumt, nach Gottes Willen zu leben; geht mir aus den Augen!'“
Diese Menschen haben Wunder vollbracht und haben dadurch viele irregeführt. Sie behaupten Jesus zu kennen und obwohl Jesus sie natürlich kennt (er ist ja allwissend) sieht er nicht seine Verhaltensweise in ihnen und erklärt deshalb: “Ich habe euch nie gekannt.” Trotzdem bedeutet dies nicht, dass sie keine zukünftige Gelegenheit zur Umkehr erhalten werden (vielleicht am Tag des letzten Gerichts). Jesus starb für sie und hat sie erlöst (2. Petrus 2,1). Selbst Paulus hatte gegen Jesus gearbeitet und ihm wurde trotzdem eine Gelegenheit zur Umkehr gegeben. Es ist als ob Jesus hier übertreibt (z.B. “Ich habe euch nie gekannt”, obwohl er sie kannte), um seine Unzufriedenheit über ihre vorgegebenen Werke auszudrücken.
Für diese treulosen Werke gibt es keinen Lohn. Jedoch können diese Menschen sich immer noch in Reue an Jesus wenden, um das ewige Leben zu erhalten, das sie in ihm besitzen. Paulus deutet dieses in 1. Korinther 3,12-15 HOFFNUNG FÜR ALLE an: ”Nun kann man mit den unterschiedlichsten Materialien weiterbauen. Manche verwenden Gold, Silber, kostbare Steine, andere nehmen nur Holz, Schilf oder Stroh. Doch an dem Tag, an dem Christus sein Urteil spricht, wird sich zeigen, womit jeder gebaut hat. Dann nämlich wird alles im Feuer auf seinen Wert geprüft, und es wird sichtbar, wessen Arbeit dem Feuer standhält. Hat jemand fest und dauerhaft auf dem Fundament Christus weitergebaut, wird Gott ihn belohnen. Verbrennt aber sein Werk, wird er alles verlieren. Er selbst wird zwar aus dem Feuer gerettet werden, aber nur mit knapper Not.”
Wie verhält es sich aber mit Jesus’ Aussage in Matthäus 25,41 HOFFNUNG FÜE ALLE: “Zu denen an seiner linken Seite aber wird er sagen: “Geht mir aus den Augen, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das für den Teufel und seine Helfer bestimmt ist!”
Aus den folgenden Versen erkennt man, dass diese Rebellen egoistisch vor sich her lebten. Aber auch wir haben so gelebt. Der Angelpunkt ist nicht unser perfektes Verhalten, sondern unsere innere Haltung und einige wenden sich reuevoll an Jesus, während andere eigensinnig und widerspenstig bleiben. Alle, die vor Jesus im Gericht stehen, gehören zu ihm und sie sind in seinem Leben und in seiner Liebe miteinbezogen. Aber einige lehnen es ab und trennen sich dadurch in ihrem Herz und Sinn selber ab. Jesus bestätigt diese Tatsache und die Konsequenzen folgen, nämlich “ewiges Feuer”.
Dieses “Feuer”, genauso wie die “ewige Finsternis”, ist eine Metapher für die Lokalität oder den Zustand des selbst auferlegten Elends, das von denen im letzten Gericht erfahren wird, die die ihnen von Gott vorgegebene Güte und Liebe verweigern.
Aber werden wir nicht nur dann Kinder Gottes, wenn wir glauben?
Achten wir auf die Worte Jesu in Johannes 1,12-13 HOFFNUNG FÜR ALLE: “Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein. Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten, auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott.”
Zuerst müssen wir im Sinn behalten, was wir schon in der Bibel erkannt haben, nämlich, dass Gott alle Menschen in das stellvertretende Menschsein von Jesus miteinbezogen hat. Als er starb, starben wir alle und als er auferstand, wurden wir alle mit ihm wiedergeboren. Demgemäß sind diejenigen, von denen Jesus hier spricht, also diejenigen, die seinem Tod und seiner Auferstehung nachfolgen, aus Gottes Sicht, schon jetzt seine Kinder. Nichtsdestoweniger ist er für diejenigen, die glauben und im Glauben Jesus annehmen, dass er ist, wer er zu sein behauptet, eine tiefsinnige, lebensverändernde Erfahrung des neuen Lebens, das ihnen schon die ganze Zeit über zustand. (Kolosser 3:3 HOFFNUNG FÜR ALLE) “...Gott hat euch mit Christus bereits ewiges Leben geschenkt, auch wenn das jetzt noch verborgen ist.” Was für sie, objektiv gesehen, schon die ganze Zeit über der Fall gewesen ist, wurde nun, subjektiv und persönlich gesehen, verwirklicht (erfahren).
In dieser bedeutsamen Unterscheidung zwischen dem Allgemeinen und dem Persönlichen finden wir den Unterschied zwischen dem ”schon jetzt” (dem Allgemeinen) und dem ”noch nicht” (dem Persönlichen). So kann Jesus eine herrliche und allgemeine Wahrheit verkünden (Joh. 3,16-17) HOFFNUNG FÜR ALLE: “Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie vor dem Verderben zu retten.” Tatsächlich kam Jesus und errettete die Menschheit. Das ist die allgemeine, “schon vorhandene” Wahrheit. Aber dann folgt die persönliche, “noch nicht verwirklichte” Tatsache: (Joh. 3:18 HOFFNUNG FÜR ALLE) “Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.”
Schon jetzt, zu was, verurteilt? Zu ewiger Hölle? Nein. Verurteilt dazu, hier ein Erdenleben ohne Jesus weiterzuführen, als Ungläubiger, ohne persönliche und verwirklichte Beziehung zu Gott. Dies ist das Urteil, das aus andauernder geistiger Finsternis kommt (siehe Vers 19).
Etwas ähnliches sagt Jesus in Johannes 8,42 LUTHER: “Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.” Diejenigen, die in der Finsternis des Unglaubens leben, obwohl sie objektiv gesehen Gottes Kinder in Gemeinschaft mit Jesus sind, befinden sich subjektiv (aus ihrer eigenen Erfahrung) gesehen immer noch in Finsternis und können sich dem Einfluss des Vaters dieser Finsternis, dem Teufel, nicht entziehen.
Paulus spricht hier zu denen, die dieser Irreführung und Finsternis glauben. Epheser 2,2 GUTE NACHRICHT: „Ihr habt nach der Art dieser Welt gelebt und euch jener Geistesmacht unterworfen, die ihr Reich zwischen Himmel und Erde hat und von dort her ihre Herrschaft über diese Welt ausübt. Sie wirkt noch jetzt als Geist der Verführung in den Menschen, die sich Gott nicht unterstellen.“ Es herrscht also ein satanischer Einfluss im Leben dieser Ungläubigen, dennoch gehören sie zu Gott in Jesus, welcher der Schöpfer, Erhalter und Retter der ganzen Menschheit ist.
Dieser Einfluss Satans und unsere sündige menschliche Natur, welche Satan aufreizt, sind nicht etwas, was man auf die leichte Schulter nehmen kann. Trotzdem Gläubige im Lichte wandeln, müssen sie dieser Finsternis entgegentreten. Es herrscht ein Kampf zwischen den beiden.
Petrus wandelte mit Jesus, und in diesem Sinne kann man ihn als Gläubigen bezeichnen, und trotzdem sagte Jesus zu ihm: ”Weg mit dir, Satan!” (Matthäus 16,23) Auch als Gläubige gibt es Zeiten, wo wir Satans Begierden folgen. In solchen Zeiten müssen wir uns fragen: Wer ist unser Herr? Im ganzen gesehen sind wir als Gläubige Jesus ergeben, aber manchmal ergeben wir uns dem Satan.
Streitet aber Jesus nicht ab, dass Nichtgläubige Gott zum Vater haben? Denn er sagt in Johannes 8,42 LUTHER: “Wäre Gott euer Vater”. Ja, Jesus redet hier Menschen an, die es besser wissen sollten. Bestimmt handelten sie nicht so, als ob Gott ihr Vater wäre, und leider ist dies die subjektive bzw. persönliche Realität.
Bitte halten Sie fest, was Paulus zur objektiv bzw. allgemein gesehenen Wahrheit über Gott in Epheser 4,6 HOFFNUNG FÜR ALLE schreibt: “Und wir haben nur einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt.” Jesus verweist hier auf das gegenwärtige, subjektive und persönliche Verhalten und bestreitet die von Paulus verkündete allgemeine Wahrheit nicht. Die Pharisäer meinten in diesem Augenblick, dass sie Gottes Willen tun, indem sie sich gegen Jesus sträubten und ihn aus dem Weg räumen wollten. So wie Jesus selbst in Johannes 16,2 HOFFNUNG FÜR ALLE sagte: “Denn man wird euch aus der Gemeinschaft des jüdischen Volkes ausschließen. Ja, es wird so weit kommen, dass man meint, Gott einen Dienst zu erweisen, wenn man euch tötet.” Beachten Sie aber bitte auch, dass viele derselben Pharisäer später zu Jünger Jesu wurden (Apg. 6,7).
Aber ist dies nicht Universalismus?
Einige missverstehen diese Theologie und schreiben ihr das Etikett des „Universalismus“ zu. Aber das ist keine korrekte Einschätzung, denn die Bibel zeigt, obwohl Gott die ganze Menschheit in Christus mit sich versöhnt hat, wird er niemanden zwingen, diese Versöhnung anzunehmen. Das würde nämlich diesen Menschen, die von Gott geschenkte Freiheit der Entscheidung nehmen (und demgemäss “nein” sagen zu Gottes “ja” in Jesus).
Gott will Söhne und Töchter, keine Dummköpfe, denen die Freiheit zu denken mangelt, und die die Wahl haben, ihren himmlischen Vater ohne Zwang zu lieben.
Der Trinitarische Theologe T. F. Torrance hat schriftlich niedergelegt, dass er Universalismus ablehne, weil er in der Bibel sieht, dass am Ende einige Menschen glauben werden, während andere nicht glauben werden. Wir können nicht völlig begründen, warum es so ist, aber ebenso wenig können wir die Präsens des Bösen in einer Welt unter Gottes souveräner Kontrolle gänzlich erklären (siehe An Introduction to Torrance Theology von Elmer Colyer, Seite 54).
Wenn wir schon miteinbezogen sind, warum sollen wir uns abmühen, das christliche Leben zu leben?
Einige protestieren gegen diese Theologie, weil sie es als Ermunterung zu “Leichtgläubigkeit” oder einer gewissen Einstellung der „Sorglosigkeit“ unter Gläubigen verstehen. Verhält es sich wirklich so?
Erstens müssen wir verstehen, dass Erlösung freiwillig und ebenso allen gegeben wurde, beruhend auf dem Verdienst und dem Werk Jesu, nicht auf unserem eigenen. Dies ist, worüber Jesus im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg sprach. Matthäus 20,12.15 HOFFNUNG FÜR ALLE: “Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!” “Diese Personen wurden am Tagesende eingestellt, um eine Stunde zu arbeiten”, sagten sie, “und Du hast sie uns gleichwertig gemacht, die wir die ganze Arbeit geschafft haben in der Tageshitze”. Gott antwortet ihnen dann (Vers 15): “Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?”
Einigen Leuten gefällt es eben nicht, dass andere, die nicht so hart wie sie gearbeitet haben, genau die gleiche Entlohnung erhalten wie sie. Aber diese Sorge übersieht die Wahrheit, dass niemand ganz gleich wie hart man arbeitet, Erlösung verdient. Darum ist es für jeden einzelnen ein freies Geschenk.
Indes wird in uns in der Heiligen Schrift gesagt, dass unsere gegenwärtige Teilnahme an Jesu Leben und Liebe persönliche Vorteile (Belohnung) enthalten, die bis in die Ewigkeit hineinreichen. Berücksichtigen Sie die folgenden Schriftstellen:
o Kor. 3,11-15 HOFFNUNG FÜR ALLE: “Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen. Nun kann man mit den unterschiedlichsten Materialien weiterbauen. Manche verwenden Gold, Silber, kostbare Steine, andere nehmen nur Holz, Schilf oder Stroh. Doch an dem Tag, an dem Christus sein Urteil spricht, wird sich zeigen, womit jeder gebaut hat. Dann nämlich wird alles im Feuer auf seinen Wert geprüft, und es wird sichtbar, wessen Arbeit dem Feuer standhält. Hat jemand fest und dauerhaft auf dem Fundament Christus weitergebaut, wird Gott ihn belohnen. Verbrennt aber sein Werk, wird er alles verlieren. Er selbst wird zwar aus dem Feuer gerettet werden, aber nur mit knapper Not.”
o Galater 6,7-8 HOFFNUNG FÜR ALLE: “Glaubt nur nicht, ihr könntet Gott irgend etwas vormachen! Ihr werdet genau das ernten, was ihr gesät habt. Wer nicht Gott, sondern sich selbst vertraut, den erwartet das ewige Verderben. Wer sich aber durch den Geist Gottes führen lässt, dem wird Gott das ewige Leben schenken.”
o Offenbarung 22,12 HOFFNUNG FÜR ALLE: “Macht euch bereit! Ich komme schnell und unerwartet und werde jedem den verdienten Lohn geben, den er verdient.”
Gott gibt freiwillig sein Geschenk der Versöhnung in Jesus an alle. Aber diejenigen, die durch den Geist dieses Geschenk annehmen und ausleben, werden Vorteile jetzt und bis in Ewigkeit erfahren. Beachten Sie was Michael Jinkins auf Seite 244 seines Buches “Invitation to Theology” schreibt:
Dieses führt uns zur Erkenntnis, dass das Leben, das Gott für uns ersehnt, die Lebensqualität ist, die wir in Jesus Christus erkennen, das „leidenschaftliche“ Leben, wie es Moltmann beschrieb, ein Leben, das freiwillig für andere eingeschenkt wird, ohne jede Risikoberechnung, das voll darauf vertraut, von Gott, der ewigen Quelle, aufgefüllt zu werden. Dieses Leben, welches als Gemeinschaftsleben definiert wird, spiegelt das innere Leben Gottes, das perichoretische Leben vom Vater, Sohn und Heiligen Geist wider und das wechselseitige Sichdurchdringen der göttlichen Personen in völliger Selbstverleugnung und wechselseitiger Teilnahme. Es ist gerade dieses Leben der Periochorese oder wechselseitigem Innewohnen, das den Kern unserer Ethik bildet, weil es auch ewig das Leben ist, das den Sinn unserer Rechtfertigung und unserer Heiligung bestimmt.
Wie verhält es sich mit christlicher Mission?
Wenn nun alle schon in Gottes Liebe und Leben miteinbezogen sind, warum sollte man sich dann um christliche Missionen kümmern und das Evangelium der Welt verkünden und Jünger für Jesus gewinnen?
Zuerst müssen wir festhalten, dass es die Gemeinschaft mit Jesus ist, die die Basis und Grundlage für jeden Lebensaspekt bildet, einschließlich unserer Teilnahme an Missionen mit Jesus (geistliches Amt).
Es ist so, wie es Dr. Dan Rogers während der WKG Konferenzen 2008 in seiner Ansprache erwähnte: “Unsere mit Christus realisierte Gemeinschaft ist uns persönlich geschenkt, und gemeinsam mit dem Geschenk des Heiligen Geistes ist sie die Grundlage der Kirche und der Verwirklichung christlichen Glaubens und Dienstes. Wörtlich genommen, ist sie das Werk Christi, das er in, mit und durch uns tut.”
Warum sollten wir uns diesem Werk mit Jesus widmen? Weil es unsere Erlösung ist. Der Heilige Geist bewegt uns zur freiwilligen und aktiven Teilnahme an dem, was Jesus in Gemeinschaft mit uns vollbringt. Und er verkündet aktiv sein Gnadengeschenk, das jetzt schon der ganzen Menschheit gegeben ist, durch welches er alles für uns getan hat. Der Heilige Geist arbeitet in dieser Welt, um die Wahrheit in Jesus zu verbreiten, und alle einzuladen, sie zu empfangen und anzunehmen. Wenn das geschieht, was für sie (im objektiven Sinne) wahr ist, wird es für sie (in einem subjektiven Sinne) persönlich wahr. Und das verändert alles.
Wie soll man Johannes 6,44 verstehen?
Die jüdischen Anführer versuchten die scheinbar frevelhafte Behauptung von Jesus abzuwenden: “Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist” (Johannes 6,41). Diese Behauptung war mit einem Anspruch auf Göttlichkeit gleichzusetzen. Jesus entgegnete den Vorwürfen der jüdischen Anführer mit einem einfachen: “Warum regt ihr euch auf?” (Johannes 6,43 HOFFNUNG FÜR ALLE) und sagte ihnen dann (Johannes 6,44): „Keiner kann zu mir kommen [dem Brot vom Himmel, welches das wahre Leben schenkt], dem nicht der Vater, der mich gesandt hat, den Weg zeigt...“
Manchmal wird dieser Vers missbraucht, um zu behaupten, dass wir, als Nachfolger von Jesus, keinen Anteil an der Missionierung von Ungläubigen haben sollten, da nur der Vater Menschen zu Jesus bringen kann. Aber das ist nicht der Punkt, den Jesus hier anspricht. Vielmehr spricht Jesus von der Einheit, die er mit dem Vater gemeinsam hat. Das Werk, das er hier auf Erden tut, ist nicht nur sein eigenes, sondern ist die direkte Erfüllung des Willens des Vaters (Johannes 6,38).
Jesus und der Vater sind derart vereint, so dass das, was er tut, als der eigene Wille und das eigene Werk des Vaters verstanden werden muss. Und folglich, wenn Menschen Jesus folgen, so deshalb, weil der Vater sie zu ihm gezogen hat.
Und genau so verhält es sich mit unserm Werk, als Jünger Jesu: Das Werk nämlich, das wir im Gehorsam zu Jesus’ Gebot tun (der große Auftrag), „ruft alle Menschen in meine Nachfolge“ (Mattäus 28,19), ist Teilnahme an Jesus’ Willen und Werk in unserer Welt, was gleichermaßen den Willen und das Werk des Vaters erfüllt.
In der Tat können wir von uns aus keine Menschen zu Jesus bringen. Aber in dem Maße, wie wir durch den Heiligen Geist, aktiv an dem teilnehmen, was Jesus tut, sind wir seine Werkzeuge, Beauftragte des Vaters, die andere Menschen auf den Sohn verweisen.
Ratschläge zur Auslegung der Bibel
In dieser Studie versuchten wir die häufigsten Fragen und Einwendungen zu beantworten, die entstehen, wenn Menschen über diese theologische Vision nachdenken. Zweifellos gibt es andere Schriftstellen, die ähnliche Fragen oder Einwendungen hervorrufen. Wir haben versucht, eine trinitarische, christuszentrierte Betrachtungsweise anschaulich zu machen, um alle Passagen der Heiligen Schrift zu lesen (und dementsprechend zu interpretieren).
Einige haben etwas gegen den Gedanken, Schriftstellen zu interpretieren. Sie meinen, dass sich die Bibel selbst interpretiert. Obwohl dieser Gedanke herrlich ist, ist er nicht haltbar. Der Lesevorgang selbst ist ein Vorgang der Interpretation.
Die Kernfrage ist nicht die Interpretation selbst, sondern mit welchem Prüfstein wir unsere Interpretation lesen. Wenn wir die Bibel lesen, bringen wir immer gewisse Kriterien ein, gewisse geistige Vorstellungen und bestimmte Voraussetzungen. Wir raten allen dringend, die Heilige Schrift mit der Wahrheit zu sehen, die Jesus wirklich ist, und beim Bibellesen mit diesem Kriterium zu beginnen und fortzufahren. Jesus selbst muss die „Brille“ sein, durch welche die ganze Schrift gelesen wird.
Aus diesem Grunde empfehlen wir beim Lesen der Heiligen Schrift folgendes:
o Zuerst sollte man sich bei einer bestimmten Bibelstelle fragen, wie sie mit der Wahrheit der frohen Botschaft zusammenpasst und ob sie die Frage beantwortet, „Wer ist Jesus?“
o Weist die Schriftstelle auf die allgemeine, objektive Wahrheit der ganzen Menschheit in Christus hin, oder weist sie auf die persönliche, subjektive Erfahrung (oder Ablehnung) der allgemeinen Wirklichkeit hin?
o Überprüfen Sie mehrere Übersetzungen. Manche Übersetzungen haben eine eingebaute Tendenz, eine Theologie zu favorisieren, die die Wahrheit unserer Miteinbezogenheit in Christus verleugnen.
Kernpunkte der trinitarischen, christuszentrierten Theologie
Es folgt nun eine 8-Punkte-Zusammenfassung der in diesem Papier dargelegten Grundsätze der Theologie.
1. Der dreifaltige Gott erschuf alle Menschen dazu, durch die stellvertretende menschliche Natur von Jesus Christus, an dem Liebesverhältnis des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes sich zu erfreuen.
2. Der Sohn wurde Mensch, der Mensch Jesus Christus, um die ganze Menschheit, durch seine Geburt, sein Leben, seinen Tod, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt, mit Gott zu versöhnen.
3. Der gekreuzigte, auferstandene und verherrlichte Jesus ist der Stellvertreter der Menschheit zur Rechten Gottes und zieht durch die Kraft des Heiligen Geistes alle Menschen zu sich.
4. In Christus wird die Menschheit vom Vater geliebt und akzeptiert.
5. Jesus Christus bezahlte für alle unsere Sünden, ob sie vergangen, gegenwärtig oder zukünftig sind, und nunmehr gibt es keine Schuld zu begleichen.
6. In Christus hat der Vater uns alle Sünden vergeben und wünscht sich sehnsüchtig, dass wir uns ihm zuwenden.
7. Wir können uns nur dann seiner Liebe erfreuen, wenn wir glauben, dass er uns liebt. Wir können uns nur dann seiner Vergebung erfreuen, wenn wir glauben, dass er uns vergeben hat.
8. Wenn wir dem Heiligen Geist antworten indem wir uns Gott zuwenden, der frohen Botschaft glauben, unser Kreuz auf uns nehmen und Jesus folgen, dann leitet uns der Heilige Geist ins transformierte Leben des Reiches Gottes.
© WKG 2008 |
Datenschutzerklärung |
Nachfolge-Gratis-Abo |
Broschürenangebot |
E-Newsletter |
WCG USA |
Kontakt |
Spenden & Helfen |
weiterempfehlen |
VM-CMS