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Zeitschrift Nachfolge

NF Juli-September 2010

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Welche Bedeutung hat die Taufe für den Christen?

von Santiago Lange

WKG-Bild

Die Wassertaufe gilt als der Einführungsritus in den christlichen Glauben. Das Neue Testament beschreibt sie als das Zeichen des Bundes zwischen Gottes Gnade und der Antwort des Menschen. Der erste Hinweis auf die christliche Taufe findet sich in den Evangelien. Sie wurde allerdings nicht erst im Christentum praktiziert. Schon im Judentum war die Taufe von „Bekehrten“ eine übliche Zeremonie. Heiden, die zum Judentum übertraten, mussten sich als demonstratives Symbol ihrer Bereitschaft, ihre alten Sitten, Gewohnheiten und ihren Götzendienst hinter sich zu lassen, der Beschneidung und der Taufe unterziehen. Auch ein stellvertretendes Tieropfer gehörte zur Taufe eines Proselyten (Neubekehrten). Das Besondere an diesem Ritus im Kontext der Evangelien war die Tatsache, dass Johannes der Täufer Juden – nicht Heiden – aufforderte, Buße zu tun und sich taufen zu lassen.

Die Bibel erwähnt mehrere Taufen:

• Die Taufe des Mose (1Kor 10,1-2)
• Die Taufe mit dem Heiligen Geist (1Kor 12,13)
• Die Taufe mit Feuer (Lk 3,16-17)
• Die Taufe des Johannes (Mt 3,6-11)
• Die Taufe Jesu (Mk 1,9)
• Die Taufe des gläubigen Christen (Mt 28,18-20)
• Die Taufe des Leidens (Lk 12,50)

Einige haben gefragt: Bewirkt die Wassertaufe unsere Erlösung? Über diese Frage hat es im Laufe der Jahrhunderte viele Auseinandersetzungen gegeben. Noch heute diskutieren Theologen über die Feinheiten. Eine allgemeine Übereinstimmung über die Substanz dieses Ritus und die genaue Weise, ihn zu vollziehen, ist nicht erreicht worden. Wie einige Bibelausleger (z. B. Walvoord-Bibelkommentar) erwähnen, scheint Petrus die Vergebung der Sünden in Apostelgeschichte 2,38 mit der Wassertaufe zu verbinden. Die griechischen Manuskripte lassen jedoch mindestens zwei vertretbare Auslegungen dieses Verses zu, welche die Vergebung der Sünden nicht an die Wassertaufe knüpfen. Die griechische Präposition eis kann zwar in Verbindung mit dem Akkusativobjekt mit „wegen“, „auf Grund von“ oder „zur“ übersetzt werden (wie z. B. in Mk 1,4), aber das ist nicht die übliche Bedeutung. Eis mit Akkusativ beschreibt einen Zweck oder eine Richtung, nicht den Ursprung oder die Quelle.

Man kann die Formulierung „jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi“ auch als einen in Klammern gesetzten Satz deuten. Wenn diese Auslegung richtig ist, würde man Apostelgeschichte 2,38 so lesen: „Tut Buße (und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi) zur Vergebung der Sünden.“ Die Verbindung von Vergebung und Buße – nicht Wassertaufe – stimmt mit den Lehren des Neuen Testaments überein (Vgl. Lk 24,47; Joh 3,18; Apg 5,31; 10,43; 13,38; 26,18; Eph 5,26).

Einige Theologen lesen Römer 6,1, 1. Petrus 3,21 und Galater 3 nicht in erster Linie im Zusammenhang mit der Wassertaufe, sondern der Taufe mit dem Heiligen Geist. Nach dieser Auslegung ist die Geistestaufe die Identifizierung des Gläubigen mit unserem Erlöser. Nach der Umkehr werden wir in Christus eingetaucht. Diese Symbolik hat mit Sterben, Begrabenwerden und Auferstehung zu tun. Die Wassertaufe ist eine sehr wirksame Veranschaulichung einer identifizierenden Wirklichkeit. Wie der Apostel Paulus schreibt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,19-20). In diesem Fall symbolisiert die Taufe die Wahrheit einer Position. Hier wird durch die Wassertaufe die Geistestaufe zeremoniell vergegenwärtigt, durch die ein Gläubiger in Christus ist.

Wenn die Wassertaufe immer eine absolute Bedingung für die Erlösung ist, so könnte man fragen, wie wir dann die Erfahrungen derer erklären würden, die ohne diese Zeremonie erlöst wurden? Die Heilige Schrift erwähnt nicht explizit eine Wassertaufe der ersten zwölf Apostel, was nicht unbedingt heißt, dass sie nicht mit Wasser getauft wurden. Interessanterweise gibt es im Neuen Testament andere Beispiele für Menschen, denen ihre Sünden vergeben wurden, ohne dass ausdrücklich von einer Taufe berichtet wird (Vgl. Lk 7,37-50; Mt 2; Lk 18-13-14; 23,43-43). Manche beantworten diese Frage damit, dass das Gebot der Taufe erst nach Jesu Tod und Auferstehung in Kraft trat.

Die Wassertaufe ist eindeutig ein unverzichtbarer Teil des Neuen Bundes und der Mission, mit der Jesus die Kirche beauftragte (Mt 28,18-20). Die Nachfolge Christi hat mit dem Wunsch zu tun, in allen Bereichen unseres Lebens Gottes Willen zu folgen. Christen wollen tun, was Gott gebietet. Die Wassertaufe als eine von Gott geschaffene Ordnung zu lehren und anzunehmen ist eine Frage, sich dem Willen Gottes zu unterstellen und zu gehorchen. Im Laufe der Geschichte wurde die Wassertaufe ein Synonym für die Gnade der Erlösung. In Epheser 4,5 benutzt der Autor die Formulierung „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“. Die Bedeutung ist: Es gibt nur eine Erlösung.

Manche Theologen erklären, dass die „eine Taufe“ in Epheser 4 ein Sakrament ist, das zwei Elemente enthält: Wasser und Geist. Viele Anhänger dieser Auffassung glauben, dass die Wassertaufe eine erlösende Wirkung hat. Nach dieser Auffassung ist die Wassertaufe ein göttliches Werk des Glaubens, kein menschliches Verdienst. Einer anderen Auffassung zufolge bezieht sich die Taufe mit dem Heiligen Geist einzig auf das historische Ereignis in Jerusalem, das in Apostelgeschichte 2 geschildert wird. Dieser Meinung nach soll dieses Ereignis Auswirkungen auf das gesamte Zeitalter des Evangeliums haben.

Unabhängig von unseren konfessionellen oder theologischen Abweichungen sollten wir verstehen, dass die Wassertaufe für einen bußfertigen Sünder eine biblische Anweisung ist, die wir sehr ernst nehmen müssen. Bekehrung hat damit zu tun, dass Gott auf wunderbare Weise das Gewissen eines Menschen berührt. Sie hat mit einer Willensentscheidung zu tun, Gott gehorsam zu sein. Sie ist ein Prozess der Verwandlung.

In den Glaubenssätzen unserer Kirche ist unter der Überschrift „Wassertaufe“ folgende Formulierung enthalten: „Die Wassertaufe – Zeichen der Reue des Gläubigen, Zeichen, dass er Jesus Christus als Herrn und Erlöser annimmt – ist Teilhabe am Tod und an der Auferstehung Jesu Christi ... Die Weltweite Kirche Gottes praktiziert die Taufe durch Untertauchen“ (S. 10).

Was bedeutet die Wassertaufe für uns praktisch? Sie reflektiert die wunderbaren, ewigen Verheißungen, dass der Mensch in Christus Vergebung der Sünden, eine Beziehung zu Gott und ewiges Leben haben kann. Die Botschaft des Evangeliums ist die einzig wahre Hoffnung der Menschheit.

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